„Wir sind noch nicht ganz da, wo wir hinwollen, aber auf einem sehr guten Wege dahin.“

Die Online-Schülerzeitung befragt jedes Jahr im Januar unseren Schulleiter Herrn Slowig zu den unterschiedlichsten Dingen aus dem Schulalltag, zu Veränderungen am CWG und zu geplanten Vorhaben der Schulleitung. Erfahrt hier, im dritten Teil des diesjährigen Interviews, interessante Informationen und Neuigkeiten über die Digitalisierung am CWG! Außerdem ein Rückblick zu 10 Jahren „GriPs“ sowie zu den Veränderungen in Schulgemeinschaft und Öffentlichkeitsarbeit.

  • von Theodor Wolf/10d
  • Foto: Theodor Wolf/10d

Teil 3 von 3 des sechsten Januarinterviews:

  1. Im Zuge der viel diskutierten Digitalisierung der Schulen hat unsere Schule zwei weitere interaktive Tafeln und einige Beamer bzw. Beameraufhängungen erhalten. Wird es in nächster Zeit weitere Anschaffungen geben?

Frau Siebert [Anmerkung: Informatiklehrerin am CWG] hat ja große Anträge gestellt und ist immer dran, da etwas zu tun und zu erreichen. Wir haben aktuell das Problem, dass es nur schrittchenweise vorwärts geht und dass wir manchmal auf günstige Zeitpunkte warten müssen. Die Stadt Halle möchte all ihre Schulen am Digitalpakt beteiligen. Bis zum 30.6.2021 werden dort Anträge gestellt; da geht es um das schnelle Internet, Verkabelung und weiteres. Wir werden dabei sein und hoffen, dass wir in einer frühen Tranche dabei sind.

Ende diesen oder Anfang des nächsten Schuljahres werden wir das megaschnelle Internet bekommen, Geräte werden Stück für Stück kommen, und jetzt schon haben wir mit den Neuanschaffungen gute Verbesserungen erreicht: Neue Displays, z.B. im Raum 302, oder Deckenbeamer. 

Bisher habe ich den Eindruck, dass es seitens der Stadt keinen Masterplan gibt, „so los, wir statten jetzt das CWG mit hundert neuen Geräten aus…“, sondern wir werden immer strampeln müssen, und Frau Siebert strampelt super. Wir müssen die Nischen finden und nutzen – beantragt ist es alles schon hundertmal von uns. Aber ich muss auch ganz deutlich sagen, die beiden Bearbeiter bei der Stadt geben ihr Bestes und sie denken an die Schulen und versuchen, vieles möglich zu machen. Wir sind in der gleichen Situation wie alle Schulen: Wir brauchen die Geräte, aber es ist kein Geld da. Das große Geld vom Bund, heruntergebrochen auf die Stadt Halle, sind 12 Millionen Euro. Und dabei gibt es nicht wenig Skeptiker, die sagen, dass das gerademal für die Kabel reichen könnte. Die Idee, wir kaufen für jeden Schüler ein Tablet und wagenweise die moderne Technik – dafür reicht das Geld bei weitem nicht. Über den Digitalpakt hinaus wird es vielleicht einen Digitalpakt 2 geben müssen usw.

Insgesamt wird sich die Ausstattung Schritt für Schritt verbessern, aber eben Schritt für Schritt. Auch Sicherheitsaspekte bei sehr viel neuer und teurer Technik müssen wir beachten. So etwas bekommt sehr schnell schnelle Füße, wie wir es leider schon erlebt haben.

Unterm Strich garantiert aber eine gute Ausstattung Gott sei Dank noch keine gute Schule, das wird immer die Arbeit von Menschen sein. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Technik verwenden und einbinden bzw. welche Methoden des Unterrichts wir überdenken müssen. Da haben wir noch viel zu tun und müssen uns bewegen.

Auf dem Weg dahin wird es jetzt das medienpädagogische Konzept unserer Schule geben. Auf dieses Konzept bin ich sehr stolz. Mit Herrn Wieprich, Frau Siebert, Frau Schmidt und Herrn Schwabe hat sich eine super Gruppe gefunden, mit der ich hier zusammenarbeiten durfte. In den letzten Monaten durfte ich den Arbeitsprozess nun begleiten und diese Woche steht der Termin für die Endredaktion. Da ist etwas richtig, richtig Gutes entstanden, das u.a. auch Fahrpläne vorsieht, die für Schüler und Lehrer Auswirkungen haben werden. Es wird für die Schüler eine Art Medienpass geben, den sie erwerben, in dem sie bestimmte Leistungen in bestimmten Jahrgängen, fächerunabhängig, erbringen sollen. Anschließend soll es eine Art Zertifikat und Zertifikat plus geben. Auch für Lehrer wird es so etwas geben, denn auch die Lehrer müssen sich auf dieser Strecke qualifizieren. Beispielweise steht drin, dass sie in den ersten drei Jahren drei Fortbildungen absolvieren müssen. Da könnte eine Fortbildung z.B. sein, „Wie bediene ich eine interaktive Tafel?“ Eine Fortbildung soll außer Haus stattfinden.

Das Konzept muss noch verhandelt werden und auch noch durch die Gesamtkonferenz, aber es ist ein Konzept, was wirklich Weichen stellen kann, wenn es denn gelebt wird. Es ist auch kein Konzept von der Sorte, die nicht umsetzbar sind. Was da drin steht, kann eins zu eins umgesetzt werden, und muss nicht 20 Jahre warten. Ich denke, dass sich die neue Generation Lehrer auf den Weg machen wird, die neuen Medien viel besser zu nutzen, als das jetzt das Fall ist. Eine Frage stellt sich mir, die noch offen ist: Wie sieht denn ein effizienter Unterricht aus, bei dem jeder Schüler ein Tablet hat? Wie sieht die Didaktik eines solchen Unterrichtes aus? Quillt aus einer Power-Point-Präsentation nur Gutes? Es erhöht die Lehrerzentrierung des Unterrichtes wieder mehr als vorher. Beispielsituation: Ein normales Unterrichtsgespräch. Ich stelle eine Frage und die Schüler präsentieren ihre Antworten. Ich kann ihre Antworten an der Tafel fixieren und mit ihren Formulierungen arbeiten. In der PowerPoint blitzt die nächste Folie auf und die fertig formulierten Antworten stehen da. Ich kann sofort im Unterricht die PowerPoint ergänzen, aber macht das ein Lehrer? Wir müssen wirklich überlegen, wie wir digitalgestützte Lernprozesse sinnvoll einhalten, wo am Ende nicht Menschen des Denkens beraubt werden, der wichtigsten menschlichen Tätigkeit, die man in der Schule erlernen soll. Da mache ich mir noch große Sorgen.

Ein anderer Aspekt, der mir ebenfalls große Sorgen bereitet: Jeder Schüler hat einerseits W-Lan von überall und hat ein Tablet. Andererseits haben wir einen enormen Lehrermangel. Was hindert uns daran, zu sagen, wir legen drei Klassen zusammen und geben eine Aufgabe, die von allen eigenständig gelöst werden kann. Alles möglich.  Aber ob solche Situationen das Zwischenmenschliche in der Schule voranbringen, wage ich zu bezweifeln. Ich hätte auch ganz große Angst davor, dass vermeintlich clevere Sparfüchse und Sparfreunde diese Chance, die sich ihnen bietet, die Auffassung entgegenstellen: „Naja, dann brauchen wir ja nur noch halb so viele Lehrer.“

Wir müssen uns in der Schule bewahren, dass man miteinander reden lernt. Das Interessante an der Schulzeit ist doch gerade, was man wahrscheinlich auch später nicht vergisst, dass Miteinander, das manchmal konfliktbeladene Miteinander, das Lernen, miteinander auszukommen, das Lernen in einer Gruppe Gleichaltriger.

Wir brauchen eine richtige Unterrichtsmethodik für einen gerätegestützten Unterricht, und die vermisse ich bisher. Das medienpädagogische Konzept ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber natürlich noch ein sehr allgemeiner.

[…]

Die Schule der Zukunft muss Antworten finden, wie aus diesen technik-dominierten Bedingungen Aufgaben und Herausforderungssituationen gemacht werden können, denn das ist ja genau die Aufgabe der Schule, junge Menschen in Herausforderungssituationen zu bringen. Das macht guter Unterricht. Wie kann ich wieder herausfordern, wenn doch ein Gerät mir scheinbar alles liefert?

  1. In diesem Schuljahr konnte die von Schülern und Lehrern ins Leben gerufene Veranstaltung „GriPs“ („Gymnasium realisieren in der Primarstufe“) ihr 10-jähriges Jubiläum feiern. Wie blicken Sie auf diese 10 Jahre des Schnupperunterrichtes, der Öffentlichkeitsarbeit des CWG und die Entwicklungen in der Schulgemeinschaft zurück?

GriPs ist der Retter unserer Schule, das muss man so sagen. Vor 10 Jahren haben ehemalige Schüler mit dem harten Kern der Lehrer die Initiative gegründet und fast jedes Wochenende Schnupperunterricht gemacht. Sie haben ganz klein angefangen, manchmal vor nicht einmal 10 Leuten, aber sie haben nicht aufgegeben, um die Schule zu retten. Insofern kann man GriPs gar nicht hoch genug wiegen. Heute, muss ich sagen, ist jede GriPs-Veranstaltung ein Festtag für unsere Schule. Zum einen, weil Gäste kommen und sich für die Schule interessieren, und zum anderen, weil so viele ehemalige Schüler Jahr für Jahr zu uns zurückkehren und den Schnupperunterricht mitgestalten. Schön ist auch, dass aktuelle Schüler Verantwortung übernehmen usw. In diesem Projekt kommt vieles, vieles zusammen, was gute Schule ausmacht. Für uns ist GriPs nach wie vor die wichtigste, öffentlichkeitswirksamste Werbeveranstaltung für unsere Schule.

Die Öffentlichkeitsarbeit des CWG ist natürlich logischen Schwankungen unterworfen in der Wahrnehmung. Es gab Jahre, in denen wir es bis ins ZDF geschafft haben, freilich mit zweifelhaften Dingen. Mit der Freiraumgalerie und dem Wandbild haben wir es auch zu einer gewissen Berühmtheit geschafft, ob wir die uns zum Teil so gewünscht hätten, sei jetzt mal dahingestellt.

Wir versuchen immer, z.B. über die Schulwebsite, da müssen wir auch in Zukunft an Aktualität zulegen, das Tor zur Welt zu öffnen. Es ist erstens insgesamt schwerer geworden, Berichte über Schule in den großen Zeitungen zu platzieren, und zweitens haben auch die großen Zeitungen, z.B. die Mitteldeutsche Zeitung, nicht mehr die Reichweite wie noch vor zwei Jahrzehnten. Wenn du vor 20 Jahren die Ankündigung vom Tag der offenen Tür in die Zeitung gesetzt hast, konntest du gewiss sein, dass das in jeden Haushalt vordringt. Heute müssen wir andere Kanäle nutzen.

Zur Entwicklung der Schulgemeinschaft. Es klingt jetzt komisch, wenn ich als Schulleiter sage, dass es mir schwerfällt, es einzuschätzen.

Es ist eine sehr große Schule geworden. Die Schülerzahl hat sich verdoppelt. Als ich angefangen hatte, kannte ich wirklich jeden mit Gesicht und Namen. Jetzt, bei über 800 Schülern, fällt mir das schwerer, vor allem in Jahrgängen, in denen ich selber keinen Unterricht habe. Insgesamt mache ich mir, was die Identifikation der Schüler mit der Schule betrifft und was ich an Rückmeldungen bekomme, nicht allzu viele Sorgen, was die Entwicklung unserer Schulgemeinschaft betrifft.

Ich möchte das auch an einem Beispiel aufmachen: Als ich 2011 hierherkam, sind wir Weihnachten alle auseinander gerannt. Klar gibt es auch Schüler, an denen das heute noch vorbei geht, aber wir haben sehr viele Schüler, die sind beim Weihnachtskonzert, beim Poetry Slam und beim vorweihnachtlichen Volleyballturnier. Das heißt, da hat sich in der Schulkultur wirklich was bewegt. Ich denke auch an Aktionen wie den Frühjahrsputz der Schülerzeitung und an andere Aktionstage. Wir haben für die Gemeinschaft eine ganze Menge schon gemacht. Und wenn ich sehe, wie unsere Schüler die Schule repräsentieren, wenn sie woanders sind, da habe ich gar kein schlechtes Gefühl.

In meinen jetzt schon … neun Jahren … um Gottes Willen … hat sich eine Menge bewegt. Natürlich merkt man, dass es eine große Schule ist, und natürlich bewegen sich auch gewisse Probleme: Migration war damals ein Randthema, das ist es jetzt nicht mehr. Im Großen und Ganzen entwickeln sich Dinge weiter, manches stagniert auch ein bisschen, z.B. beim Schulfest waren wir schon mal etwas weiter. Aber insgesamt glaube ich, dass wir doch auf unsere Schule sehr stolz sein können. In unserem Gebiet, an unserem Standort, diese Qualität jeden Tag zu leben und zu liefern, das muss uns erstmal jemand nachmachen. Dieses Selbstbewusstsein müssen wir noch stärker nach außen verkaufen. Wir gelten bei vielen als Nische: „Eine gute Schule, aber Neustadt…“ Dagegen können wir nicht so viel machen, aber hier bei uns an der Schule eine hohe Identifikation aller Beteiligten zu haben, das macht was aus. Identifikation kann auch schon im Kleinen beginnen, wenn ein Klassenlehrer mit seiner Klasse etwas unternimmt, deshalb fällt es mir schwer, das bis ins Letzte zu beantworten.

Ich habe immer das Gefühl, unsere Schüler tragen gerne unsere T-Shirts, sie haben gerne unseren Schülerplaner, aber es richtig einschätzen kann ich nicht. Ob es immer nur vorwärts geht oder ob es stagniert, kann ich nicht sagen. Ich glaube, wir haben uns viele vernünftige Standards an unserer Schule bewahrt, als sie größer geworden ist, aber an mancherlei Stelle merkt man natürlich, wie groß die Schule ist, dass nicht immer alles familiär zugeht. Umgekehrt geht es nämlich leider auch: Es gibt durchaus Schüler aus einer 7. oder 8. Klasse, die einen Lehrer nicht mit Namen zuordnen können, da merkt man ganz deutlich, wie groß die Schule doch ist. Das hätte es früher so nie gegeben. Insgesamt sehe ich unsere Schule auf einem guten Stand. Und wir haben unser eigenes Selbstverständnis und Selbstbewusstsein erarbeitet. In den letzten Jahren sind wir gesunde Wege gegangen. Ich sehe beispielsweise auch das Lernentwicklungsgespräch für eine gesunde Maßnahme. Wir haben es getan, ohne ein riesen Konzept zu schreiben, warum wir das machen. Das ist das, was ich mir für die Schule wünsche: Viele Leute, die einfach machen und nicht viel reden. Ich wünsche mir eine Schule, in der die Leute gern länger dableiben. Und die Ganztagsangebote sind dafür ein Gradmesser. Wir sind noch nicht ganz da, wo wir hinwollen, aber auf einem sehr guten Wege dahin.

Wir bedanken uns bei Herrn Slowig für das ausführliche Interview und freuen uns schon auf das nächste und damit 7. Interview im Januar 2021!

 

 

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