„Im ganzen Land ist die Unterrichtsversorgung eng, da wird das CWG …“

Die Online-Schülerzeitung befragt jedes Jahr im Januar unseren Schulleiter Herrn Slowig zu den unterschiedlichsten Dingen aus dem Schulalltag, zu Veränderungen am CWG und zu geplanten Vorhaben der Schulleitung. Erfahrt hier, im ersten Teil des diesjährigen Interviews, interessante Informationen und Neuigkeiten über die Unterrichts- und Lehrerversorgung sowie über die neueingeführten Lernentwicklungsgespräche am CWG.

  • von Theodor Wolf/10d
  • Foto: Theodor Wolf/10d

Teil 1 von 3 des sechsten Januarinterviews:

  1. Das Thema „Lehrermangel“ wird überall breit diskutiert. Am CWG sind einerseits in diesem Schuljahr wieder viele Referendare, anderseits fallen mehrere Lehrer durch Erziehungsurlaube aus. Wie stellt sich die Unterrichtsversorgung am CWG in diesem Schuljahr und in der Zukunft dar?

Das Thema „Lehrermangel“ geht an unserer Schule nicht vorbei. Wir sehen schon, dass wir andere Ausfallzahlen haben als vor 5 oder 6 Jahren, als wir noch eine wirklich gute Ausstattung hatten. Wir sind inzwischen schon wieder soweit, dass wir nahezu den gesamten Pflichtunterricht abdecken können. Stundenkürzungen im Bereich Ethik und anderen Fächern können wir z.T. im zweiten Halbjahr auflösen. Dazu wird natürlich beitragen, dass aus dem Erziehungsurlaub einige Kollegen wiederkehren. Wir bekommen auch nochmal zum zweiten Halbjahr eine Kollegin für die Fächer Deutsch und Geschichte. Die Baustelle, die wir in Ethik hatten, können wir mit einer befristeten Ausschreibung erst einmal schließen. Im Sommer wird auch jemand neu kommen, um uns dann dauerhaft auf eine gesunde Basis zu stelle.

Aber wir müssen uns nichts vormachen; wir hatten jetzt mal einige Jahre, in denen wir nur wenige Lehrer in die Rente verloren haben, weil es davor eine Phase gab mit relativ guten Alterszeitangeboten. Jetzt kommen so langsam, aber sicher die nächsten Lehrer in den Bereich, wo es kritisch wird, wo man auch mal kurzfristig sagen kann: „Ich habe nur noch 2 Jahre bis zur Rente. Ich nehme die Abschläge in Kauf und gehe.“ Das ist ja in Deutschland leicht möglich. Wir werden in den nächsten 10 Jahren erleben, dass noch einmal die gute Hälfte unserer Belegschaft in Rente geht. In gut 10 Jahren werden Frau Borkowski, Frau Hubert und ich die ältesten im Kollegium sein. Dann geht wieder 10 Jahre niemand, aber schwierig bleibt es vorerst dennoch.

Sehr, sehr schwierig gestaltet sich ebenfalls die Nachwuchsgewinnung. Ich glaube, dass wir sehr gut beraten sind, viele Referendare selber auszubilden und dann zu hoffen, dass diese an unserer Schule bleiben wollen. Bisher war das fast immer der Fall, das ist nicht unser Problem. Probleme haben wir eher bei Ausschreibungen „ins Blaue“. Diese Stellen werden manchmal nicht besetzt, da Kollegen aus einer anderen Stadt oder Referendare einer anderen Schule lieber an ihrer bisherigen Schule bleiben wollen. Wir müssen also selber für den Nachwuchs sorgen. In der Hinsicht habe ich die Kollegen schon eingeschworen; sie müssen also damit rechnen, dass wir sehr viele Referendare in unsere Schule bekommen werden. Ab April werden es bereits 7 weitere sein. Gleichzeitig so viele Referendare bedeutet immer viel Arbeit und wir sind jetzt schon an unserem Maximum. Trotzdem wird das der beste Weg sein, um Personal zu rekrutieren.

Ansonsten wird die Unterrichtsversorgung von vielen Außenfaktoren abhängen, z.B. ob wir fünf 5. Klassen aufnehmen müssen oder doch nur vier, ob wir in den höheren Klassen gegebenenfalls Klassenzusammenlegungen haben werden. Das kann entlasten, aber auf uns werden weitere schwere Jahre zukommen. Wir müssen auch versuchen, bereits Praktikanten auf unsere Schule aufmerksam zu machen und sie zu binden. Beispielsweise sind drei der neuen Referendare bereits schon einmal Praktikanten an unserer Schule gewesen.

Insgesamt müssen wir sehr aktiv Nachwuchskräftegewinnung betreiben, denn es wird in den kommenden Jahren nicht einfacher. Ich kann jetzt auch nicht prophetisch sein. Es sieht auf dem Papier wie auch im letzten Jahr gar nicht so schlecht aus; in der Praxis sieht es jedoch anders aus. Wir haben letztes Jahr vier Ausschreibungen bekommen, de facto konnten wir aber keine einzige Stelle besetzen. Das hat natürlich Folgen. Vor allen Dingen, manche Sachen kann man nicht planen: Einiges ist erfreulich, wie beispielsweise Erziehungsurlaube, manches wenig erfreulich wie Langzeiterkrankungen. Wir müssen uns nichts vormachen: Im ganzen Land ist die Unterrichtsversorgung eng, da wird das CWG nicht mit Lehrern überschüttet werden, sondern da müssen wir selber versuchen, eine vernünftige Lehrerversorgung auf die Reihe zu bekommen.

[…]

Ich möchte auch noch sagen, dass wir in diesem Jahr zwar fünf 5. Klassen aufnehmen mussten, die Klassenstärke aber nur ca. 23 Schüler beträgt. Das ist auch schonmal ein Vorteil. Ob wir die Klassenanzahl halten können, ist eine andere Frage. Außerdem: Solange eine Schule voll ist, solange lebt sie. Und solange sie lebt, können wir jungen Leuten und Lehrern auch eine Perspektive bieten. Für Schüler ist es ja eine elementare Frage, dass das CWG in seinem Bestand sicher ist und dass man als Schüler, der in der 5. Klasse anfängt, auch sein Abitur in der 12. Klasse absolvieren kann. Es gab Zeiten, in denen wir uns nach so einer Sicherheit gesehnt haben. 

 

  1. In diesem Schuljahr werden erstmalig in allen Klassen sog. Lernentwicklungsgespräche anstatt der schriftlichen Halbjahresbeurteilungen geführt. Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür? Wer war bei den Vorüberlegungen beteiligt und worin sehen Sie die größten Vorteile?

Zu allererst: Dass es in allen Klassen dazu gekommen ist, freut mich sehr, da wir in der Gesamtkonferenz den Beschluss gefasst haben, dass dies freiwillig ist. Das heißt, in allen Klassen haben sich die Klassenlehrer und Elternvertreter gemeinsam dazu bekannt, statt der Halbjahresbeurteilungen die Lernentwicklungsgespräche zu führen. Für diesen Beschluss gab es mehrere ausschlaggebende Gründe: für mich rein sachlich gesehen, ist die Beziehung zwischen Eltern, Schüler und Schule bzw. Lehrer das entscheidende Dreieck. Und alle drei Parteien einmal im Jahr an einen Tisch zu bekommen, das ist etwas ganz anderes als die „Einwegbeurteilungen“, die sich dann doch häufig in bestimmten Standardformulierungen ergossen haben. Ich habe den Eindruck gewonnen, es wird tiefgründiger reflektiert, alle Seiten werden durch diese Gespräche in die Verantwortung genommen und man kann wirklich einen realistischen Stand abbilden bzw. realistische Ziele vereinbaren. Ich bin ja selten euphorisch, aber mich hat die Euphorie sämtlicher Rückmeldungen diesbezüglich angesteckt. Ich habe nicht einen einzigen Kritikpunkt gehört, sondern wirklich nur Positives, vor allem von Eltern und Lehrern. Ich weiß auch, dass für Schüler solch ein Gespräch nicht immer ganz einfach ist. Die Meinungen waren eindeutig: unbedingt weiter machen.

Was mich bisher am meisten gestört hat, war, das ist kein Vorwurf an die Lehrer, dass die Beurteilungen doch häufig in sehr standardisierten Formulierungen gestaltet wurden, z.B. „Er ist offen, fröhlich und hat einen guten Kontakt zu seinen Mitschülern.“ Manches kann man in solchen Gesprächen ganz anders ausräumen, denn es können keine missverständlichen Formulierungen und anschließende Interpretierungen aufkommen.

Ich habe auch als Vater zwei Gespräche miterleben können und würde diese nie wieder gegen eine Beurteilung eintauschen wollen. Meine Lehrer wollten das alle – sie wissen genau, dass das nicht weniger Aufwand bedeutet. Aber sie waren froh, nicht mehr diese fürchterlichen Texte fabrizieren zu müssen, sondern wirklich individuell beraten zu dürfen. Wie gesagt, jeder Lehrer hätte sich ausklinken können, aber nicht ein einziger wollte die Beurteilungen beibehalten. Hat mich selber verblüfft, dass das von der 5. bis zur 10. Klasse so geschlossen geschehen ist. Ich glaube auch, dass an solchen Einzelgesprächen die Lehrer eine bessere Möglichkeit bekommen, wirklich über jeden einzelnen Schüler zu reflektieren. Diese Möglichkeit geht oft im Schulalltag unter. Wir können das Verfahren noch verbessern und verfeinern, doch alles, was ich bisher gehört und erlebt habe, gibt uns Recht, das probiert zu haben.

Wir bedanken uns bei Herrn Slowig für das ausführliche Interview! Teil 2 von 3 wird demnächst veröffentlicht.

 

 

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