Die Kunst, Wissenschaft zu betreiben

Auch wenn bei der Weiterentwicklung des Vorhabens „Campus Kastanienallee zunächst „kleinere Brötchen gebacken werden, konnte am 21.6.2019 dennoch ein weiterer Erfolg erzielt werden: Gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand und Prof. Dr. Ralf Wehrspohn, Direktor des Fraunhofer IMWS, sowie einigen Akteuren des Silbersalz-Festivals wurde ein erster Mini-Maker-Labor-Container feierlich eröffnet.

  • von Clemens T. Kral/12b
  • Fotos: Clemens T. Kral/12b

Großaufgebot am CWG: Jede Menge Studenten, Vertreter aus Politik, Kunst und Wissenschaft sowie SchülerInnen und LehrerInnen aller drei Schulen des Campus Kastanienallee haben sich am Freitag, dem 21.6.2019, um 15:00 Uhr, auf dem Osthof unserer Schule versammelt. Mittendrin: ein mobiles Raummodul, das an diesem Nachmittag eröffnet werden soll.

IMG_4475

Doch worum geht es überhaupt? Wie Schulleiter Andreas Slowig bereits in unserem diesjährigen Januar-Interview ankündigte, soll in den kommenden Monaten, nachdem Halle (Saale) leider in der zweiten Runde des Wettbewerbs „Zukunftsstadt 2050“ ausschied und daher das geplante Mehrzweckgebäude nicht in vollem Umfang gebaut werden kann, in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) auf dem Osthof ein Labor-Containerdorf als sogenannter „Maker-Space“ entstehen. „Diese Container sollen sowohl für den Unterricht als auch für außerunterrichtliche Arbeit genutzt werden. Das Fraunhofer-Institut engagiert sich da sehr stark, und mit der Idee ‚Maker-Space‘ soll die Verbindung zwischen Weinberg Campus und unserem Standort hier an der Kastanienallee gestärkt werden“, so Herr Slowig. Die Container werden insgesamt über 34 m2 Arbeitsfläche (überdacht) und zusätzlich 25 m2 Freiraum verfügen und im Zuge anwendungsorientierten Lernens eine technische Ausstattung in Form von Strom- und Internetanschlüssen sowie acht Laptops erhalten. Des Weiteren können die Innen- und Außenbereiche nach den Projektideen unserer SchülerInnen frei gestaltet werden.

IMG_4482

Anfang Juni ist der erste von drei Containern aufgestellt worden. Seine erste Nutzung fand das zudem als „fliegendes Klassenzimmer“ bezeichnete Mini-Labor im Rahmen des zweiten „Silbersalz Science & Media Festival“ vom 20. bis zum 23. Juni 2019 – laut Veranstalter dem „ersten internationalen Wissenschafts- und Medienfestival seiner Art“. Dabei konnten unter dem diesjährigen Motto „The Science of Love“ verschiedene Standorte im Stadtgebiet besucht werden, an denen vielfältige Fragen aus der aktuellen Wissenschaft und Forschung für alle Interessierten anschaulich aufgegriffen wurden.

IMG_4489

Kunst trifft Wissenschaft

An unserem Standort in Halle-Neustadt entwickelten, verwirklichten und präsentierten Studierende der Kunstpädagogik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Burg Halle) und der Biologiedidaktik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) gemeinsam mit science2public – Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation e.V. und SchülerInnen der 8. Klassen des CWG Projekte über Böden, Lieblings- und Hasspflanzen und vieles mehr. Ziel dieser Kooperation namens „art.make.science“ war es, Brücken zwischen der Kunst und Biologie zu schlagen. Was eigentlich unvorstellbar klingt, kann jedoch sehr innovative und kreative Ergebnisse hervorbringen, wie an diesem Freitag in der Ausstellung „Zwischen Labor und Atelier. Experimentieren. Forschen. Vermitteln.“ auf dem Osthof gezeigt wurde. Seit April 2019 wurde in der Neustädter Passage 13 an den verschiedenen Teilprojekten im Rahmen des kunstpädagogischen Seminars „Liebe. Zwischen Kunst und Wissenschaft“ und mit drei Projektgruppen der Biologiedidaktik getüftelt.

IMG_4496

Während des Silbersalz-Festivals fand die Ausstellung vom 21. bis zum 23. Juni 2019 in zwei Teilen statt: Der Ausstellungspart Workspace 1 auf dem Osthof des CWG zeigte Ergebnisse aus Projekten, die gemischte Teams von Studierenden mit SchülerInnen verwirklichten und erprobten. Workspace 2 in der Neustädter Passage 13 hingegen konzentrierte sich auf die Projekt-Dokumentation von „art.make.science“.

IMG_4507

Eröffnung des ersten Maker-Moduls

Unter der Anwesenheit von Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), Prof. Dr. Ralf Wehrspohn, Direktor des Fraunhofer IMWS, Ilka Bickmann von science2public – Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation e.V. sowie der drei Schulleiter Andreas Slowig (CWG), Beatrice Worm (Gemeinschaftsschule Kastanienallee) und Thomas Schimpf (Grundschule Kastanienallee) konnte das erste Mini-Maker-Labor im Zuge des Silbersalz-Festivals und Vorhabens „Campus Kastanienallee“ feierlich enthüllt werden. Zunächst versammelten sich alle Beteiligten und Interessierten auf einem als eine Art Amphitheater aufgebauten Podium, wobei u.a. Dr. Bernd Wiegand, Prof. Dr. Ralf Wehrspohn, Ilka Bickmann sowie weitere leitende Köpfe, einzelne Studierende und SchülerInnen aus den unterschiedlichen Projektgruppen zu Wort kamen.

IMG_4520

Nach einem kleinen Gruppenfoto von der symbolischen Eröffnung an der Eingangstür des Labor-Containers konnte dieser nun offiziell besichtigt werden. Was genau ausgestellt war, erfahrt Ihr bei der Beschreibung der einzelnen Projekte und Aktionen (siehe unten). Für das leibliche Wohl sorgte Frau Müller, unsere Essenfrau, mit kleinen Häppchen und kalten Getränken. Das Catering wurde sehr gut angenommen, sodass am Ende nichts mehr übrigblieb. Seinen Ausklang fand der Nachmittag mit einer Tanzeinlage der Gruppe „Dance Diversity“ von der Grundschule Kastanienallee.

IMG_4540

Die Projekte im Einzelnen

„Mit allen Sinnen“

Entwickeltes Projekt der Studierenden Jöanna Zander, Anna Wiegand, Lydia Bogdan, Luise von Hagen und Marie Werner, umgesetzt mit und für SchülerInnen der Klassen 8b und 8c des CWG am 11.6. und 14.6.2019.

An zwei intensiven Projekttagen haben wir uns mit den verschiedenen Sinnen des Menschen und der Veränderung menschlicher Sinneswahrnehmung durch Liebe beschäftigt. Was hat es mit der rosa-roten Brille auf sich und warum geht Liebe durch den Magen? An mehreren Stationen haben wir unsere Sinneswahrnehmungen überprüft und hinterfragt. Dazu haben wir biologische Fakten und künstlerische Impulse als Anregung für die Herstellung von Objekten genutzt. Diese Objekte sollten die Sinne des Betrachters oder Trägers manipulieren und anregen und im besten Falle einen Zustand von Liebe verursachen. Auf Polaroid fotografierte Objektinszenierungen und von den SchülerInnen verfasste Texte ergänzen die Objekte.

IMG_4554

„Leben auf dem Mars?“

Entwickeltes Projekt der Studierenden Philipp Keidler, Marcus Pape, Linn Pulsack, Robert Schulze und Max Streifler, umgesetzt mit und für SchülerInnen der Klasse 8d des CWG am 13.6.2019.

Für die Studierendengruppe „Love-Boden-Art“ war an einem Projekttag für SchülerInnen der 8. Klasse das Thema Böden zentral. Mit naturwissenschaftlichen Experimenten wurden die Zusammensetzung und die Bedeutung von Böden als biologischer Lebensraum erfasst. Gleichzeitig geschah eine künstlerische Annäherung und Übertragung auf die Thematik, indem die SchülerInnen beispielsweise ihre selbst entnommenen Bodenproben zu Farbe verarbeiteten, diese zunächst katalogisierten und anschließend damit potenzielle Marslebewesen und -situationen auf Holz malten. Aus diesem sowohl naturwissenschaftlichen als auch künstlerischen Arbeitsprozess ergab sich am Ende eine bereichernde Vielzahl von Untersuchungsergebnissen, darunter eine Kartographie der entnommenen Bodenproben im Stadtraum Halle, Maschinerien und Techniken zur Anpassung an die Bedingungen des Planeten Mars oder 3D-Modelle möglicher Marsbewohner.

IMG_4561

„Plantflirt“

Entwickeltes Projekt der Studierenden Michael Reif, Saskia Albrecht, Hannah Schwarz-Wissel und Dorothea Piehl, umgesetzt mit und für SchülerInnen der Klasse 8a des CWG am 12.6.2019.

Wie würden sich Pflanzen auf einer Datingplattform präsentieren?

In unserem Alltag laufen wir achtlos an Pflanzen vorbei. Pflanzen haben aber ganz schön viel drauf, wie würden Pflanzen sich und ihre Eigenschaften wohl auf einer Datingplattform präsentieren? Die SchülerInnen der Klasse 8a des Christian-Wolff-Gymnasiums setzten sich intensiv mit dieser Fragestellung auseinander. Anhand gewonnener Informationen über biologische Experimente präsentierten die SchülerInnen Pflanzen zunächst in einem Speed-Dating und später dann auf Plantflirt, einer fiktiven Dating-App. Ein auf die Profile bezogener Slogan beleuchtet die Präsenz in Social Media kritisch.

Mach mit und swipe mit dem grünen Daumen über die Pflanzenprofile der Datingplattform an der Außenwand des mobilen Raummoduls. Lass dich dabei mit der Polaroid-Kamera fotografieren und füge das Foto der Sammlung hinzu.

IMG_4467

Verschiedene Pflanzen aus dem Projekt art.make.science an den Außenwänden

Darunter Pflanzen der Dating-Profile des Projektes „Plantflirt“ sowie Liebes- und Hasspflanzen aus der Veranstaltung vom 9.4.2019. Diese erste gemeinsame Seminarsitzung der Kunst- und Biologiedidaktik wurde mit dem Format „Pflanzgespräche“ eröffnet. Vorbereitend brachten die Studierenden Ableger ihrer Lieblings- und Hasspflanzen mit. An fünf Pflanztischen kamen die TeilnehmerInnen durch folgende leitende Aufgabe in einen regen Austausch: „Pflanzt jeweils eine Liebes- und eine Hasspflanze gemeinsam in je einen Topf, sodass sie darin zusammengebracht werden. Kommt dabei ganz ungezwungen ins Gespräch, beispielsweise über: … 1. Liebe: Warum ist dir genau diese Pflanze sympathisch? / … 2. Abneigung: Warum hegst du eine Antipathie gegen diese Pflanze? / … 3. Euch: Wer bist du? Was liebst du? Was interessiert dich am Thema Liebe zwischen den Feldern von Kunst und Biologie?“. Im Fokus dieses Formats stand ein erstes Kennenlernen und Abtasten von Interessenslagen über das gemeinsame Handeln.

Zum Anschauen und Mitmachen

  • „Take-Away“ > Heft „Impulsübungen und Aufgabenformate“ zum Mitnehmen.
  • „Mit allen Sinnen“ > Übungen aus dem Projekt zum Nachlesen und Mitmachen. Rieche blind an den Proben und errate die Gerüche.
  • „Leben auf dem Mars?“ > Übungen und Aufgabenformate aus dem Projekt zum Nachlesen.
  • Teaserfilm der Ausstellung „Zwischen Labor und Atelier. Experimentieren. Forschen. Vermitteln.“ des Projektes art.make.science > Auch zu sehen als Satellit im Puschkin und in der dokumentarischen Ausstellung des Gemeinschaftsprojektes im Rahmen der „Maker Faire 2019“ (Neustädter Passage 13).
  • Fotografische Dokumentation der Umsetzungsphase des Projektes „art.make.science“ zwischen Kunstdidaktik und Biologiedidaktik (Zeitraum April bis Juni 2019).
  • Video-Dokumentation. Videos aus den durchgeführten Projekten, darunter z.B. das Pflanzen-Speed-Dating des Projektes „Plantflirt“ oder Einblicke in den Objektbau des Projekttages „Mit allen Sinnen“.

IMG_4566

Beteiligte Akteure

  • Beteiligte Studierende:

Jöanna Zander, Anna Wiegand, Lydia Bogdan, Luise von Hagen, Marie Werner, Philipp Keidler, Marcus Pape, Linn Pulsack, Robert Schulze, Max Streifler, Michael Reif, Saskia Albrecht, Hannah Schwarz-Wissel, Dorothea Piehl

  • Seminarleitung und Projektkoordination seitens der Burg Halle/Layout:

Robert Hausmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Professur für Didaktik der bildenden Kunst

  • Seminarleitung/Projektkoordination seitens der MLU:

Sebastian Körnig, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Professur für Didaktik der Biologie und Lehrer am CWG

  • Studentische MitarbeiterInnen im Projekt art.make.science:

Anne-Lena Fuchs, Nikos Probst

  • Danke den Förderern und Partnern:

SILBERSALZ19

SILBERSALZbyYOUTH19

Documentary Campus

Robert Bosch Stiftung

Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

science2public – Gesellschaft für Wissenschaftskommunikation e.V.

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Christian-Wolff-Gymnasium Halle (Saale)

Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen

Wir blicken somit auf einen ereignisreichen Tag zurück und freuen uns, künftig in weiterer enger Zusammenarbeit u.a. mit dem Fraunhofer IMWS die nächsten beiden Mini-Maker-Labor-Container bei uns einweihen zu können und dadurch das Vorhaben „Campus Kastanienallee“ wieder ein Stück voranzutreiben. Vielen Dank an alle bisherigen Beteiligten!

IMG_4456

Textquelle: Einzelne Projekte und Aktionen: zitiert aus dem Übersichtsplan zum Mobilen Raummodul auf dem Osthof des CWG (30.6.2019 22:36:45)

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s