3 Regentropfen in der trockensten Wüste der Erde

Zahlreiche Einwohner und (Hobby-)Gärtner beklagen sich in unserer Stadt im Sommer oft zurecht, dass der Boden mal wieder viel zu trocken ist und kein Regen in Sicht scheint. Doch wie sieht es mit dem Klima in anderen Regionen der Erde aus? Ein Interview mit dem Lehrer des Christian-Wolff-Gymnasiums Olaf Renner zu seiner Expedition im Frühjahr 2018.

 

  • von: Yves Elmendorff/6c; Gabriele Bräunig (freiberufliche Dipl.-Journalistin)
  • Fotos: Theodor Wolf/9c; O. Renner

(Dieser Artikel wurde bereits in der 11. Printausgabe gekürzt veröffentlicht. Jetzt erscheint die ungekürzte Version mit weiteren Bildern.)

  1. Herr Renner, welche Fächer unterrichten Sie an unserem Gymnasium?

»Ich unterrichte Mathematik und Geografie.«

 

  1. Von wann bis wann ging Ihre Expedition und wohin?

»Meine Reise führte mich vom 24. März bis zum 18. April 2018 in die Atacama-Wüste – in Südamerika, zwischen Nord-Chile und Süd-Peru am Pazifik gelegen. In der genannten Zeit befand ich mich zudem in Bolivien.«

 

  1. Was ist das Besondere an der Atacama-Wüste?

»Sie ist die trockenste Wüste der Erde, erstreckt sich über ca. 1200 Kilometer und ist rund 15 Millionen Jahre alt. In ihr befinden sich die Anden; das Gebirge ist bis zu 4500 Metern hoch.Ren Gletscher 2- Huayna Potosí- 6088m hoch

Es ist schon ein Erlebnis, in einer Gegend zu weilen, in der es Orte mit einer Jahresniederschlagsmenge von 0 Millimetern gibt. Denn die Atacama-Wüste liegt im Regenschatten der Anden. Ich selbst habe gerade einmal 3 Tropfen Regen während eines Aufenthaltes in etwa 2800 Metern Höhe abbekommen; das war schon etwas Besonderes – weil Regen zumeist schon in der heißen, trockenen Luft verdunstet, bevor er auf die Erde fällt. «

(In manchen Teilen der Wüste kommt es aller 6 bis 10 Jahre zu heftigen Niederschlägen, sodass sie auch mal erblüht.)

 

  1. Wie sind Sie zu dieser Reise gekommen?

»Ich hatte die Einladung von Professor Hilmar Schröder bekommen, ihn und seine Studenten während eines Teils ihrer geplanten achtwöchigen Expedition zu begleiten. Wir waren 25 Leute.

Ren Stratovulkan in den Anden NordchilesProfessor Schröder ist der Chef der Geomorphologie und Glazialforschung an der Humboldt-Universität in Berlin. Ich habe bei ihm studiert, und er war mein Mentor während meiner Diplom-Arbeit. Auch nach meinem Studium ist der Kontakt zu ihm nie abgerissen.«

 

  1. Wie haben Sie sich auf diese Reise vorbereitet?

»Es gab Vorbesprechungen im Februar an der Uni in Berlin, bei denen alle Modalitäten geklärt und unsere Fragen beantwortet wurden. Wir haben eine Packliste erhalten, auf der alles stand, was wir benötigen würden: u.a. auch nützliche Medikamente, z.B. Schmerzmittel gegen Höhenkrankheit. Denn es gibt Leute, die bekommen in großen Höhen riesige Kopfschmerzen, ihnen wird schlecht und sie müssen sich übergeben, sie sind ganz schlapp. Dagegen muss man sofort etwas tun: Medikamente nehmen und wieder nach unten gehen – wenn es möglich ist.«

 

  1. Wie sind Sie in diese Gegend der Erde gekommen?

»Ich bin mit dem Flugzeug dorthin geflogen. Vor Ort fuhren wir, vor allem nachts, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit großen Bussen. Aber auch Autos wurden zum Teil genutzt. Wir sind dort außerdem viel gelaufen.«Ren La Paz 2

 

  1. Wie und wo haben Sie gewohnt?

»Ab und zu im Hotel, meistens im Hostel, einer Art Jugendherberge. Aber ich habe ebenfalls im Zelt oder unter freiem Himmel geschlafen.«

 

  1. Benötigten Sie in der heißesten Wüste der Erde besondere Kleidung?

»Das Wichtigste war, dass man immer eine Kopfbedeckung dabeihatte, manchmal einen Schal und Gesichtsschutz. Vor allem, wenn man über Eisflächen gelaufen ist; da war Salz. Darauf reflektiert die Sonne, und davon bekommt man Sonnenbrand unter dem Kinn.«

 

  1. Waren Sie zum ersten Mal in der trockensten Zone unserer Erde?

»Ja, das war ich.«

 

  1. Hatten Sie dort immer genügend zu trinken?

»Als wir 4 Tage durch die Atacama-Wüste gezogen sind, hatte jeder 12 Liter Wasser dabei. Die Luftfeuchtigkeit liegt dort unter 20 Prozent, da braucht man so viel Wasser, jedenfalls als Europäer. Die Indios benötigen nicht so viel.«

 

  1. Wie sind Sie an Essen und Trinken gekommen?

»Wir haben uns das gekauft.«

 

  1. Was war Ihre Aufgabe während der Expedition?

»Ich habe gelernt. Ich habe beobachtet. Und ich habe Material für unsere Schule gesammelt: Samen von Pflanzen sowie Steine. Auch konnte ich viele, viele Fotos machen, die die Schönheit und Einzigartigkeit dieser faszinierenden Gegend zeigen. Ren Sairecabur und Salzpfanne in der AtakamaUnd ich habe dort einen Fachvortrag zum Thema ‚Das Aymara – Geschichte und Kultur dieses indigenen Altiplano-Volkes‘ gehalten.«

 

  1. Welche ganz besonderen Erlebnisse hatten Sie auf Ihrer Expedition?

»Oh, da gibt es viele. Ich war in der Wüste und hatte gerade Iso-Matte und Schlafsack ausgerollt, und die Sonne ging 19:20 Uhr unter. 15 Minuten später war die Dämmerung weg, und dann, wie ein Fingerschnipp, hattest du die Milchstraße über dir, und zwar so, wie du es hier nirgends siehst am Himmel. Das war ein Moment! Und das Aufstehen, wenn die Sonne aufging. Du saßt da – und sahst nichts: Keinen Halm, sondern nur Staub, kleine Steine. Das war in der Atacama-Wüste, in der Tamarugal, einem Teil der Atacama, und auch ein einzigartiges, tolles Erlebnis.Ren Salar de Uyuni- größte Salzpfanne der Erde- mit Herrn Renner

Nachts ist es in der Atacama sehr schnell dunkel und kalt, so um die 0 Grad Celsius. Am Tag ist es dann wiederum schnell heiß, etwa 30 bis 35 Grad Celsius. Das ist allerdings eine angenehme, trockene Hitze, nichts zum Schwitzen. Aber man braucht eben immer eine Kopfbedeckung, sonst geht‘s gar nicht.In dieser Gegend habe ich zudem mein erstes Erdbeben erlebt. Es hat diesen Namen tatsächlich verdient, denn es war eines der Stärke 5,6 der Richterskala. Aber Angst hatte ich nicht.

Spannend war auch zu erleben, wie die Indios den heute vorherrschenden Katholizismus mit ihren eigenen uralten Riten vermischen. In La Paz, dem Regierungssitz Boliviens, habe ich z.B. in der ‚Zaubergasse‘ Lama-Föten, also kleine getrocknete Embryos, gesehen, die dort von Aymaras an Ständen verkauft werden. Andere Einheimische kaufen sie, um sie beim Hausbau als Glücksbringer und Schutz vor bösen Geistern in die vier Ecken des Fundamentes einzubetonieren. Und wenn sie ein neues Feld anlegen, graben sie einen Lama-Fötus ein, als Opfer für Pachamama, die Mutter Erde – um sie gnädig zu stimmen, damit die Ernte etwas wird.«

 

  1. Das ist krass. Was hat Sie an den Menschen Südamerikas fasziniert? Konnten Sie etwas von ihnen lernen?

»Sogar in 3000 bis 4000 Metern Höhe leben noch Indios. Ihr Hauptprodukt sind verschiedene Sorten Kartoffeln sowie Saubohnen. Besonders haben mich, wie oben erwähnt, die Gebräuche der Aymara, eines indigenen Volkes, das vor allem in den Anden Nord-Chiles, Süd-Perus und auf dem Altiplano in Bolivien lebt, beeindruckt. Sie haben eine eigene Sprache (ebenfalls Aymara genannt) und Kultur.

Ren Vicuna, ist die klienste Lama-Art
Die kleinste Sorte Lamas.

Ich konnte durchaus etwas von diesen Ureinwohnern Südamerikas lernen: Sie verehren, wie gesagt, alle die Pachamama, die Mutter Erde, und wollen ein Leben im Einklang mit der Natur. Und vor allem lehrt das harte Leben in etwa 4000 Metern Höhe, dass nur eine solidarische Gemeinschaft Halt und Sicherheit für alle bringen kann.

Dass die Einzelkämpfer und Egoisten außen vor sind. Und das ist etwas großartiges, das hat man dort live erlebt.«

 

  1. Würden Sie wieder in diese Gegend reisen, und falls ja: Weshalb?

»Ja, weil es eine ganz interessante Region unserer Erde ist. Hier gibt es eine große Vielfalt an Kultur und vor allem Natur. Das ist einfach grandios; das muss man Ren La Paz 1- Innenstadt mit vielen Straßenhändlerngesehen haben! Die Farben in einer Luft, wo kein Staub ist und keine Luftfeuchtigkeit; es ist ganz anders, als ich je gedacht hätte. Leuchtend blauer Himmel mit Farben von Gräsern, die so fantastisch sind!«

 

Wir bedanken uns bei Herrn Renner für das nette und interessante Gespräch.

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