Ein engagiertes Finale

Die Beteiligten des Wahlpflichtkurses „Lebenswelt“ veranstalteten ihre jährliche Abschlussfeier mit einem unterhaltsamen Programm in der Aula unserer Schule, welches ihr Einsatzjahr angemessen abrundete. Unsere Redaktion war zu Besuch und hat vielerlei Eindrücke festgehalten.

  • von Clemens T. Kral/11b
  • Fotos: Clemens T. Kral/11b

Für die engagierten SchülerInnen des Wahlpflichtkurses „Lebenswelt“ bzw. „Lernen durch Engagement“ (LDE) am Christian-Wolff-Gymnasium ist das Schuljahr fast geschafft. Ihren Abschluss begingen sie mit den Kurslehrerinnen Solveig Feldmeier, Judith Siegmund, Astrid Willmann und Susanne Würfel am Montag, dem 28.5.2018, ab 17:00 Uhr, feierlich. Im Schuljahr 2017/2018 waren die Neunt- und ZehntklässlerInnen an diversen Einsatzstellen tätig (später dazu mehr). Bei der Feier stand vor allem die Reflexion auf Erreichtes und eventuelle Schwierigkeiten im Laufe des Jahres, die Auszeichnung ihrer ehrenvollen Aufgabe sowie der gemeinsame Ausklang im Mittelpunkt.
Bevor der offizielle Teil begann, trafen sich alle SchülerInnen und Kurslehrerinnen bei heißem Wetter um 15:00 Uhr in der Aula, um sich auf den Abend vorzubereiten. Nach der Prüfung der Anwesenheit folgte die Aufteilung in vier Arbeitsgruppen, die sich für knapp 1,5 Stunden mit der Bedeutung des Engagements für jede einzelne Person auseinandersetzten und diese Aspekte in je einer Aufgabe mit unterschiedlichen kleinen Vorgaben vereinen sollten. So sollte eine Gruppe in eine ungewöhnliche Rolle schlüpfen und aus dieser heraus ihr spezielles Engagement schriftlich schildern, das sie während dieses Jahres erlebt hat. Außerdem beschäftigten sich andere Engagierte mit der Darstellung eines Weges vom Anfang ihres Engagements bis zum jetzigen Zeitpunkt in einer Geschichte. Eine weitere Gruppe erstellte ein Poster, auf dem ein menschlicher Körper zu sehen war, um ihre konkreten Erfahrungen beim Engagement festzuhalten. „Mit Kopf, Herz und Hand“ wurde eingetragen, was die SchülerInnen über ihr Engagement denken, wo sie beschäftigt waren, was sie dabei fühlten und wohin sie die konkrete Erfahrung geführt hat.

Schülerzeitung AG - Abschlussveranstaltung Wahlpflichtkurs 'Lebenswelt' am CWG [28.5.2018] (2)
► Vor der Feier fanden sich die Engagierten in Gruppen zusammen und erarbeiteten verschiedene Aufgaben, die sie später dem Publikum präsentierten.

SchülerInnen der 9. Klassen, die in der Grundschule Kastanienallee tätig waren, bereiteten auf einem Poster den „Baum der Erkenntnis“ mit drei Sorten von Früchten vor. Letztere standen für ihre Erfahrungen bzw. Erlebnisse, die von jedem für mehrere Phasen des Schuljahres (Beginn, Mitte, Ende) reflektiert werden sollten. (Rote Früchte: reifes, köstliches Obst, das Schöne; grüne Früchte: unreif, Dinge, die weitergehen sollen, Wünsche und Pläne für die Zukunft; gelbe Früchte: Fallobst, Schiefgelaufenes, unschöne Erfahrungen bzw. Erlebnisse).
Violetta Schmidt (Kl. 10c) und Jonas Herzfeld (Kl. 10b) studierten übrigens die Moderation der Veranstaltung ein.

Junge Engagierte geehrt

Die offizielle Veranstaltung fand von 17:00 bis ca. 18:00 Uhr in der aufgeheizten Aula im obersten Stockwerk statt. Eingeläutet wurde der besondere Abend mit einem grandiosen Auftritt unserer Schulband „Friday Afternoon“ mit zwei gecoverten Liedern. Es folgte eine eindrucksvolle Aufführung der „kleinen“ Theater-AG unter der Leitung von Frau Feldmeier, die v.a. von Freundschaft und Engagement handelte.

Im zweiten Teil waren die TeilnehmerInnen von „Lebenswelt“ gefragt. Zu Anfang stellte die Gruppe des „Baums der Erkenntnis“ ihre Eindrücke aus diesem Einsatzjahr an der GS Kastanienallee mit ihren Schiffchen dar und begründete ihre Entscheidung kurz. Die Gruppe, die in den Kopf eines Gegenstandes schlüpfen sollte – in diesem Fall ein Monolog aus der Sicht eines Fußballs – und die Gruppe „Mein Weg“, die diesen als Schatzsuche kennzeichneten – mit je einem Text als Ergebnis – hatten ihre Ideen genauso prima umgesetzt und präsentiert. Die beiden Geschichten wurden besonders gut geschrieben, weshalb Ihr sie demnächst unterhalb dieses Berichts lesen könnt. Und da wäre noch die Gruppe, die über ihre konkreten Erfahrungen beim Engagement mit „Kopf, Herz und Hand“ nachgedacht hatte. Positiv merkte sie die Möglichkeit der Ergreifung sozialer Berufe und damit das zukünftige Engagement an, aber als negativ empfand sie, dass bestimmte Berufe aufgrund des spezifischen Engagements für die SchülerInnen ausgeschlossen wären oder durch schlechte Erfahrungen das Interesse am Engagement nicht (mehr) vorhanden sein könnte. Alle Jugendlichen wurden abschließend mit einem Zertifikat ausgezeichnet und von Frau Feldmeier, Frau Siegmund, Frau Willmann, Frau Würfel und Schulleiter Herrn Slowig beglückwünscht. Danach verabschiedeten die Kurslehrerinnen zusammen mit den SchülerInnen Frau Feldmeier mit einem Präsent, da sie im nächsten Jahr leider in ihrer Funktion als Lehrerin aufhört. Mit einem reichhaltigen Buffet von den 11. Klassen beendeten alle SchülerInnen, Kurslehrerinnen und Gäste langsam den Abend und kamen miteinander ins Gespräch.

Rückblick auf das diesjährige Engagement

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► Alle SchülerInnen erhielten je ein Zertifikat für die Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Arbeit und wurden von den Kurslehrerinnen persönlich gratuliert.

Der heutige Wahlpflichtkurs „Lebenswelt – Lernen durch Engagement“ ist seit dem Schuljahr 2008/2009 fester Bestandteil des Schulprogramms, hat aber bereits einige Jahre zuvor seinen Ursprung. „Lernen durch Engagement“ wurde 2003 erstmals als Idee gemeinsam mit der Freiwilligenagentur als AG umgesetzt. Sowohl SchülerInnen als auch die begleitenden Lehrkräfte bekamen durch das Engagement für Kinder, alte bzw. beeinträchtigte Menschen mit Freude, Motivation und Begeisterung mehr als nur einen Blick in andere Lebenswelten. Sie gewannen schnell die Schulleitung und weitere KollegInnen für das Projekt. Belegen kann man den Kurs in der 9. und 10. Klassenstufe entweder für ein oder zwei Jahre. Dafür erhält man eine Zeugnisnote, die sich je zur Hälfte aus Praxisleistung und Kursmitarbeit zusammensetzt, sowie eine hohe Anerkennung von der Schule und den zu Betreuenden. Verschiedene Themenbereiche, deren Inhalte mit einzelnen Schulfächern eng zusammenhängen, sind bei der Wissensvermittlung relevant.

Schülerzeitung AG - Abschlussveranstaltung Wahlpflichtkurs 'Lebenswelt' am CWG [28.5.2018] (7)
► Für ihre langjährige Arbeit als Kurslehrerin und zur Verabschiedung wurde Frau Feldmeier ein Präsent überreicht.

In diesem Schuljahr engagierten sich rund 30 SchülerInnen (im letzten Jahr 56) der 9. und 10. Klassen einmal pro Woche für zwei Unterrichtsstunden. Bereits im vergangenen Schuljahr ist es gelungen, zwischen der Gemeinschaftsschule Kastanienallee und unserer Schule ein schulübergreifendes Lebenswelt-Projekt zu initiieren. Viele SchülerInnen dieser Schule stammen aus Flüchtlingsfamilien und benötigen besondere Unterstützung beim Deutschlernen. Auch darin bestand eine neue Herausforderung. In diesem Sinne verstand sich die Beteiligung des CWG an der bundesweiten Aktion „Menschen stärken Menschen“, zu der das Projekt dieses Schuljahres mit Schülerpatenschaften für Geflüchtete gehört. 12 Engagierte aus der Klassenstufe 9 arbeiteten mit 15 Kindern aus Flüchtlingsfamilien zusammen. Sie halfen ihnen beim Deutschlernen und vermittelten ihnen Kenntnisse über Land und Leute im gemeinsamen Spiel. Für die nächsten Jahre sind weiterhin solche Pläne vorgesehen, damit „Lebenswelt“ sich als „Campus“-Projekt etablieren kann. Neben dem Begleitseminar führten die anderen TeilnehmerInnen des Wahlpflichtkurses selbstverständlich vielfältige Einsätze durch; dabei begleiteten Frau Siegmund, Frau Willmann und Frau Würfel die ZehntklässlerInnen.

Für noch mehr Wissenswertes sei Euch unsere 7. Printausgabe vom 28.9.2016 empfohlen, in der Gabriele Bräunig auf Seite 10 über das Projekt berichtet.

Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Weitere Informationen zum Projekt „Lebenswelt“ erfahrt Ihr auf unserer Schulwebsite:
Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Interessantes zu LDE seitens der Freudenberg-Stiftung:

Wir hoffen, alle beteiligten SchülerInnen konnten im Lauf des nun abgeschlossenen Jahres einige Erfahrungen während ihrer ehrenamtlichen Aufgabenbereiche sammeln und vor allem etwas für das Leben und sich selbst lernen. Herzlichen Glückwünsch für diese Leistung und weiterhin viel Erfolg in der Ausübung des überaus nützlichen Projekts!


Anhang zur Abschlussreflexion Lebenswelt

Erklärung zum Poster Schatzsuche

von Hannah, Laura, Julia, Josie, Hannah, Julia und Elisa (LDE-Teilnehmerinnen aus Klassenstufe 10)

[urheberrechtlich geschützter Inhalt]

Lebenswelt ist ein Abenteuer, genauso wie eine Schatzsuche. Am Ende dieser Schatzsuche hat man neue Lebenswelten, hier symbolhaft durch den Markt, Wald und Wüste dargestellt, kennengelernt.

Die Schatzsuche beginnt mit der Wahl des Faches. Danach wählt man seine Einsatzstelle und stellt sich und das Fach dort vor. Man sollte wissen, wo und für wen man sich engagieren möchte und danach schauen, welche Einsatzstellen sich dafür eignen. Nun macht man sich mit den Ansprechpartnern und den möglichen Aufgaben vertraut.

Auf dem Weg zum Ziel muss man viele Probleme und Hindernisse überstehen (auch durch Wald und Wüste dargestellt). Es können unvorhergesehene Probleme mit der Einsatzstelle oder den zu Betreuenden auftreten. Stichworte sind: Unzuverlässigkeit der Partner, plötzliches allein dastehen – wie im Katzenhaus passiert – oder Patenkinder, die bei Krankheit nicht absagen, einfach nicht mehr kommen oder stören.

Wichtig ist das Durchhaltevermögen, denn es kann passieren, dass der Einsatz immer gleich abläuft oder stressig ist, weil man immer etwas anderes tun soll als geplant. Wenn man gar keine Aufgaben findet, ist das genauso zermürbend.

Eine große Herausforderung ist Lebenswelt im zweiten Halbjahr. Man muss erst mal eine Idee für ein eigenständiges Projekt haben und dann schauen, ob es durchführbar ist. Und schließlich alles genau planen, organisieren und durchführen.

Aber nach all den Strapazen hat man es geschafft und ist am Ziel der Schatzsuche angekommen – in der Stadt des Engagements.

Wenn man auf das Jahr der Reise zurückblickt, wird einem klar, dass man sich nicht nur engagiert hat. Man stellt fest, dass man viel über sich lernen konnte, neue Stärken und auch ein paar Schwächen entdeckt hat. Der Schatz, der nur durch Engagement zu erreichen war, ist nicht materiell. Es ist all das, was man im Laufe des Jahres erreicht hat und das nicht nur auf den einzelnen Teilnehmer bezogen. Es ist viel mehr das, was man in den Einsatzstellen erreicht hat. Der größte Schatz ist die Freude, die man in den Augen der Kinder oder alten Menschen sieht, die man Woche für Woche besucht hat. Man hat geholfen ihren Alltag durch das freiwillige Engagement für ein paar Stunden zu etwas Besonderem zu machen. Und darauf kann man stolz sein.

Das Engagement aus der Sicht eines Fußballs

von Johanna und Diego (LDE-Teilnehmerinnen aus Klassenstufe 10)

[urheberrechtlich geschützter Inhalt]

Wer ist das denn? Was macht der hier? Ich mache meinen Job als Ball zwar schon sehr lange, aber den habe ich noch nie gesehen! Er ist sicher noch nicht erwachsen und daher als Trainer ausgeschlossen. Aber andererseits ist er auch über einen Kopf größer als die zehnjährigen Kinder. Oh, psst! Das Training beginnt, gleich werden wir es erfahren. Aha. Diego also. Freiwillig. Engagement. Mehr kann ich leider nicht verstehen. Wo ist da der Zusammenhang? Die Kinder sind zu laut! Können die nicht mal einen Gang runterschalten?! Ein Pfiff ertönt. Jetzt ist es ruhig. Danke! Das Training beginnt und Einlaufen steht auf dem Plan. Alle Kinder laufen los. Nein! Halt! Warum steht Diego da immer noch? Aha! Jetzt! Aber irgendwie ist das die falsche Richtung. Nicht nur er, sondern auch die Kinder kommen auf mich zu und schnappen sich einen meiner Kollegen. Warum will mich denn niemand? Ich meine, auch wenn ich meine besten Tage schon hinter mir habe, kann mit mir noch gespielt werden! Doch jetzt! Ich schaue nach oben und blicke in das Gesicht von Diego. Na toll! Mit dem Faulpelz soll ich trainieren? Der hat ja nicht mal die Erwärmung mitgemacht. Oh. Er legt mich auf den Boden. Gleich wird er schießen. Bitte tu es nicht! Leider kann er mich nicht hören und schießt trotzdem. Neeiiin! Oh warte, das war ein super Schuss! Ich fliege ja immer noch!

Im Laufe dieser Stunde erfuhr ich, dass Diego gar nicht faul ist, sondern der Co-Trainer. Den Rest des Tages verbrachte ich als Vorzeigeball. Wie Vorurteile einen täuschen können!

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