Von Schließfächern, einem Wandbild und vielem mehr

Eine kleine Tradition unserer Redaktion ist es, sich im Januar mit Schulleiter Herrn Andreas Slowig über aktuelle Geschehnisse am CWG zu unterhalten. In diesem Jahr erfahrt Ihr mehr über die Diskussionen zum Wandbild und über die persönliche Meinung unseres Schulleiters zur Projektwoche.

  • von Theodor Wolf/8c
  • Fotos: Theodor Wolf/8c; Clemens T. Kral/11b

[Hinweis: Dieser Artikel kam mit der Veröffentlichung der zehnten Printausgabe im Januar 2018 heraus und wird nun nachträglich auf unserer Website in ungekürzter Form veröffentlicht.]

Projektwoche

  1. Was ist Ihre persönliche Meinung über die Projektwoche? Ist es eine schöne Sache, welche auf jeden Fall noch lange ein fester Bestandteil des Schuljahres sein sollte, oder gibt es auch Dinge, die nicht so gut sind?

»Grundsätzlich halte ich eine Projektwoche für etwas ganz Wichtiges. Also Projektarbeit überhaupt. Die Frage der Zukunft wird sein, in welcher Form man das macht. Ob das unbedingt eine Woche sein muss oder, ob das einen festeren Platz im Schulalltag einnehmen muss, bis hin, dass es ein Tag pro Woche für projektorientiertes Arbeiten geben könnte. Aber dort fehlen natürlich die Rahmenbedingungen, weshalb man generell den Unterricht am Gymnasium neu sortieren müsste. Außerdem stecken ja noch die Anforderungen für das Abitur und der fächerbezogene Unterricht dahinter.

Grundsätzlich glaube ich, dass die Schule der Zukunft ohne Projektarbeit nicht auskommen darf, denn Projektarbeit an sich zielt immer auch auf das Herstellen sinnvoller bzw. geistiger Produkte. Das ist ja etwas, das für die Vorbereitung auf das eigene Leben sehr wichtig ist. Man kann in der Projektwoche so viele Erfahrungen machen. Zum einen kommt es zu einer ganz anderen Begegnung mit den Lehrern, zum anderen kann man für die Schule Verantwortung übernehmen. Ich denke nur an die, die in Grundschulen ‚Chemie zum Anfassen‘ machen. Man kann zudem Dinge auch einmal mit Ruhe bearbeiten, z.B. die Abiturvorbereitung Klasse 12 oder die Facharbeiten Klasse 11. Dies ist eine Woche, in der wir den normalen schulischen Rahmen verlassen.

Nach wie vor bin ich der Meinung, es sollte als Minimum zum festen Programm einer modernen Schule gehören. Wir haben im letzten Jahr doch noch einige Probleme in der Projektwoche gehabt und haben versucht, im Nachhinein mit den Beteiligten viele Gespräche zu führen, um uns der Diskussion zu stellen. Gerade mit Frau Rafler, die ja in einer großen Verantwortung ist. Da ging es z.B. um die Anleitung der Schülerprojektleiter; das Coaching haben wir intensiviert. Man wird nie erreichen können, dass alle Projekte 100%ig in der Qualität vergleichbar sind. Man kann z.B. nicht vergleichen, dass manche Schüler Forschung im „Roten Ochsen“ anstellen und andere Unihockey spielen. Aber das sollte nicht immer unbedingt das Ziel sein, so ist das Leben nun mal, dass es unterschiedliche Anforderungen gibt.

Wir haben versucht, die Gruppengröße zu reglementieren. Ein richtiger und wichtiger Kritikpunkt im letzten Jahr war, dass 30-35 Schüler in einem Schülerprojekt waren und jüngere Schüler versucht haben, älteren etwas beizubringen. Es hat alles seine Grenzen. Wir haben in diesem Jahr durch ein neues Anmeldeverfahren versucht, die bestehende Unfairness beim Anmelden zu minimieren und auszugleichen, die es teilweise auch gegeben hat. Eine 100%ige Gerechtigkeit, dass jeder in seinem Wunschprojekt kommt, geht nun nicht immer. Es gibt auch immer Wünsche, dass die Projektwoche in der schönen, warmen Jahreszeit stattfinden soll, sodass man sich im Bereich der Biologie oder Chemie Außenprojekte gut vorstellen kann. Alles keine Frage, aber es besteht eine Kopplung mit dem Skikurs und dem Tag der offenen Tür, der für die Außendarstellung unserer Schule eine ganz wichtige Rolle hat.

Man könnte sich natürlich vorstellen, die Projektwoche unter ein Motto zu stellen, bestimmte Dinge zu verbinden oder noch zielgerichteter auf ein Produkt hinzuarbeiten. Das eröffnet zwar Möglichkeiten und steigert vielleicht die Qualität, andererseits legt es auch immer ein Korsett an. Leute, denen kein Projekt einfällt, müssten es dann in das Motto einpassen – das fände ich dann schade. Gerade was die Vielfalt angeht, die unsere Projektwoche ausmacht, mit Lehrer-, Schüler-, geistigen und handwerklichen, künstlerischen und sportlichen Projekten oder auch welche außerhalb der Schule. Ich denke, dass in diesem Jahr die Qualität besonders gut ist.«

  1. Hat die erstmalige Onlineanmeldung gut funktioniert?

»Das muss man hinterher noch genauer untersuchen. Ich habe mir in der letzten Woche ein Feedback bei Eltern eingeholt, die sehr positiv bezüglich der Online-Anmeldung ausfielen. Ich habe gehört, dass es fairer war als in den anderen Jahren, da nicht der erste am Raum den besten Projektplatz bekommen hat. Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht allzu viel damit beschäftigt.«

Wandbild am CWG

  1. Es gab viel Aufregung in den öffentlichen Medien bezüglich des Wandbildes an unserer Schulhausfassade. Was ist jetzt im Nachhinein Ihre Meinung über die ganze Aufregung? Wird es in nächster Zeit noch Diskussionen geben oder ist das „vom Tisch“?

»Was heißt geklärt, das ist heute in der Mediengesellschaft so. Es wird manchmal sehr schnell aufgeblendet, wenn so ein ‚Skandälchen‘ ins Blickfeld gerät, aber es wird auch sehr schnell wieder abgeblendet. Ich habe noch einmal einen abschließenden Brief von dem Frauenverband erhalten. Dort war man auch nicht einverstanden, wie ich mich in den Medien geäußert habe. Anders gesagt: Ich bin sehr für die Wahrnehmung von Frauenrechten. Frauen und Mädchen werden in unserer Gesellschaft nach wie vor benachteiligt, in nicht zu wenigen Punkten. Aber nicht mit einer Symbolpolitik, wie sie bezüglich des Bildes betrieben wurde. Das habe ich auch in der Zeitung gesagt.

Das Wandbild wegzumachen, ändert überhaupt nichts, und es muss eine künstlerische Freiheit gegeben sein. Es ist viel Lärm um wenig. Ich will mich auch nicht jedem kritischen Argument verschließen, aber das ist manchmal in einer Weise überzogen gewesen, diese Kritik, da frage ich mich schon, ob es keine anderen Probleme gibt, als sich damit auseinanderzusetzen. Ich habe ebenfalls anklingen lassen, dass Frauenverbände sich mehr um die wirkliche Benachteiligung von Kindern in unserem Stadtteil kümmern sollten, wie das schon viele Frauenverbände tun. Solche nebensächlichen Dinge sollten nicht zu hoch gehängt werden. Was in dem jungen Mädchen gesehen wurde, konnte ich bei bestem Willen nicht erkennen. Auch da habe ich mich herausgehalten, weil es dann ja sofort heißt: ‚Na klar, Sie sind ja auch ein Mann! Dass Sie so etwas nicht sehen, ist uns schon verständlich.‘

Schülerzeitung AG - Januarinterview Slo [23.3.2018]
► Das neue Wandbild an unserer Schule sorgte Ende des letzten Jahres für große Diskussionen.

Was ich sehr schade an der Sache fand, dass der Frauenverband die Möglichkeiten des Dialogs mit uns als Schule und mit den Künstlern nicht ausgeschöpft hat, bevor sie an die Öffentlichkeit gingen. Wenn wir uns dem verweigert und gesagt hätten, ‚Das ist alles Quatsch und nicht diskutierbar.‘, aber wir haben gemeinsam mit dem beteiligten Künstler ein Podium angeboten, um ins Gespräch zu kommen. Dies wurde jedoch nicht wahrgenommen, und es wurde lieber in den Stadtrat gerannt, wo man weiß, dass die Mitteldeutsche Zeitung mithört, und dann wurde laut posaunt, dass hier die Frauenfeindlichkeit herrscht.

Ich musste mir außerdem ein, zwei persönliche Angriffe gefallen lassen und habe mir dann gesagt, wie man es macht, ist es eben verkehrt. Wenn ich das Bild im Vorfeld verhindert hätte, ich wüsste jetzt nicht aus welchem Grund, dann hätte auch auf Seite eins der Zeitung gestanden: ‚Schulleiter wie zu DDR-Zeiten: Verbietet die Freiheit der Kunst‘. Da muss ich ganz ehrlich sagen, mir wäre nicht in den Sinn gekommen, diesem künstlerischen Prozess seine Freiheit zu nehmen. Davon abgesehen, dass die Kommune ihre Freigabe unter ganz bestimmten Bedingungen gegeben hat. Diese Bedingungen wurden von den Künstlern eingehalten und dann ist es damit mal wieder gut.

Ich denke, dass das Thema in den Medien durch ist. In dem abschließenden Brief hat der Frauenverband seine Meinung noch einmal dargestellt und sich im Sinne von Kompromissbereitschaft nicht bewegt. Und das habe ich allen Ernstes nicht erwartet. Das ist ein Thema der heutigen Medien. Jeder trägt nur seine Meinung vor, und Kompromisse eingehen wird immer schwerer. Was für mich schon Kompromiss genug war, dass in dem Brief stand, dass es die abschließende Meinungsäußerung war. Ich denke, wir sollten uns mehr mit anderen Dingen beschäftigen.«

Campus Kastanienallee

  1. Gibt es mittlerweile konkrete Pläne oder sogar Termine für das Mehrzweckgebäude, welches am Campus Kastanienallee errichtet werden soll?

»Ja! Mittlerweile steht fest, dass das Gebäude auf jeden Fall gebaut wird. Wann das passiert, ist jetzt sogar nicht die entscheidende Frage. Ich rechne damit, dass es parallel mit den Arbeiten an der Nachbarschule passiert oder mit leichter Zeitverzögerung. Die Frage ist, wie groß es wird. Die Stadt hat sich jetzt ein sehr ehrgeiziges Bildungsprogramm gestellt. In 5 Jahren will man mit 200 Mio. Euro dem Sanierungsstau an halleschen Schulen abhelfen, sodass ich guter Hoffnung bin.

In diesem Programm ist dieses Mehrzweckgebäude jetzt fest mit einer Summe von 3 Mio. Euro einbezogen. Das klingt zwar ziemlich gut, aber für das, was wir vorhaben, bräuchten wir die drei- oder vierfache Bausumme. Im Juli fällt die Entscheidung, ob Halle im Zukunftsstadtwettbewerb eine Runde weiterkommt und damit mehr Geld zur Verfügung steht. Im Moment beschäftigt sich ein ganz renommiertes Stuttgarter Büro für Schul- und Campusgebäude mit dem Thema. Im Februar werden erste Ergebnisse vorgestellt. Im Mai bis Juni wird es ein fertiges Konzept geben. Wenn Halle in diesem Wettbewerb gewinnt, dann können wir ein Gebäude bauen, in dem der Ganztagsbereich etwas Platz findet, auch im Sinne der Entwicklung unseres Stadtviertels. Wir müssen noch mehr in unseren Stadtteil hineinwirken. Wir haben die Aufgabe und den Anspruch, hier mehr mitzuwirken. In so einem Gebäude könnten wir Leute aus Neustadt locken und sie mit einbinden.

Wir müssen schauen, wie es wird. Die kleine Version des Gebäudes kommt auf jeden Fall, und bei dem großen ist die Chance 8 aus 23 – das ist besser als bei jeder Tombola.« [8 Städte kommen von 23 Städten weiter.]

  1. Welchen dauerhaften Nutzen hätte das CWG von diesem Gebäude?

»Als großen Nutzen hätten wir, dass wir dringend benötigte Raumkapazitäten frei bekommen würden. Im 21. Jahrhundert ist das große Thema ‚Individualisierung der Bildung‘: Teamarbeit, Kleingruppenräume usw., z.B. im Deutschunterricht – mal eine Diskussionsrunde oder ein Rollenspiel. Dabei ist es schön, wenn der Lehrer viel Platz zur Verfügung hat.

Schülerzeitung AG - Januarinterview Slo [9.9.2015]
► Rückblick: Am 9.9.2015 grenzten SchülerInnen und LehrerInnen zum Zwischenbilanztag die Fläche des künftigen Mehrzweckgebäudes ab.

Ein weiterer Punkt ist das Thema Computerarbeitsplätze. Die Bildung der Zukunft wird viel mehr digitalisiert werden, als das heute ist. Jeder Schüler wird Dinge elektronisch verfassen müssen, dies braucht alles Raum. Des Weiteren sind wir eine Ganztagsschule. Ein Teil der Ganztagsangebote stößt zudem an seine Grenzen, weil keine Kapazität da ist. Ich bin auch der Meinung, dass eine Schule oder ein Campus eine ordentliche Bibliothek braucht. Für all solche Sachen wäre dort Platz. Ein Raum für Begegnung oder Konzerte. Selbst wenn wir so etwas in der Passendorfer Kirche machen; diese ist auch bloß zu klein.

Es ist ein soziales Projekt, an diesem Ort sollen ebenso Menschen verschiedener sozialer Welten zusammenkommen. Es soll eine „Zentrale“ werden, um den Campusgedanken, das Zusammenarbeiten und Zusammenleben aller drei Schulen, besser umzusetzen. Es braucht Orte für so etwas. Menschen sollen Schule als Lebensort begreifen, wofür Raum benötigt wird. Mein Traum ist, dass wir irgendwann den Abiball hier in Schulnähe feiern können.«

Schließfächer und Schulhof

  1. In der 3. Etage wurden neue Schließfächer aufgestellt. Wird dies in den nächsten Schuljahren ausreichen oder müssen noch mehr Sitzecken entfernt werden?

»Es wurde leider eine Sitzecke entfernt, um dort Schließfächer aufzustellen. Das finde ich sehr schade, aber wir haben uns zu dem Prinzip bekannt, dass jeder Schüler, der es möchte, ein Schließfach bekommt. Verlosen und so etwas ist Quatsch. Ich denke, dass jetzt der Höhepunkt erreicht ist. Wenn doch noch mehr Schüler ein Schließfach haben möchten, dann hätten wir gar keine andere Wahl, als noch eine Sitzecke zu entfernen. So weit will ich aber gar nicht denken. Wir werden uns jetzt mit der Schülerzahl so einpendeln. Mehr Schüler wird es nicht geben, eher weniger, wenn alle fünfzügigen Jahrgänge die Schule verlassen. Wenn das Mehrzweckgebäude kommt, könnten wir dort eventuell einen zweiten Schließfachraum einrichten.«

  1. Gibt es Aussichten, dass die restlichen drei Schulhöfe noch saniert werden und vielleicht sogar schon konkrete Pläne dafür?
Schülerzeitung AG - Interview Slo_Klassenfahrtswoche; Sportanlagen [13.1.2017]
► Vor etwa einem Jahr wurde die Sanierung des Osthofs fertiggestellt (Foto). In den Sommerferien soll die Erneuerung auf dem Südhof starten.

»Es gibt Aussichten. Nachdem im letzten Jahr unser Osthof überraschend saniert wurde, hat der Verantwortliche der Stadt versprochen, Mittel bereitzustellen. Da braucht man immer etwas Glück: Das Glück wird dieses Jahr schon aufgebraucht sein.

Die Stadt hat ihre Gebäude nicht versichert, um Geld zu sparen. Bei dem Sturm, jetzt im Januar, wurden auch Schuldächer in Halle stark beschädigt. Die Stadt hat für solche Sachen einen Fond für Instandhaltung. Das Geld, das in anderen Jahren nicht gebraucht wurde, z.B. durch gute Witterung, wurde dann verbaut. Daher kann es sein, dass es in diesem Jahr nicht mehr klappt. Aber es wird ein Projekt bleiben, welches irgendwann geschafft ist. Es muss natürlich auf jeden Fall etwas gemacht werden. Die Stolperfallen müssen weg. Der Osthof war am schlimmsten, aber im Süden oder Norden sieht es nicht viel besser aus. Und 10 neue Bänke werden demnächst vom Schulförderverein nochmals angeschafft.«

Wir bedanken uns bei Herrn Slowig für das ausführliche Interview und freuen uns auf das 5. Januarinterview im nächsten Jahr.

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