„Es wird nicht einfacher werden“

In den letzten Jahren hat sich in der Entwicklung unserer Schule bezüglich des Lernklimas und des Zuwachses an SchülerInnen einiges getan. Für nähere Einblicke befragten wir Frau Borkowski und Frau Würfel, die das Geschehen bereits seit einiger Zeit aktiv verfolgen.

  • von Theodor Wolf/8c; Clemens T. Kral/11b
  • Foto: Theodor Wolf/8c

[Hinweis: Dieser Artikel kam mit der Veröffentlichung der neunten Printausgabe im Oktober 2017 heraus und wird nun nachträglich auf unserer Website in ungekürzter Form veröffentlicht.]

  1. Wie beurteilen Sie das Lernklima und das Lehrer-Schüler-Verhältnis an unserer Schule insgesamt, auch im Vergleich zu anderen Schulen? Heben Sie ggf. auch heraus, was Ihnen besonders am CWG gefällt.

Frau Borkowski: »Das ist schwer zu beurteilen, da man vorrangig den Blick auf den eigenen Unterricht hat und auch weniger mit anderen Schulen vergleichen kann. Ich beurteile beides als gut. Die Anmeldezahlen und der positive Ruf unserer Schule sprechen dafür. In Elterngesprächen wird meist Zufriedenheit artikuliert und dass die Schüler gern zur Schule kommen.«

Frau Würfel: »Das Lernklima ist generell gut und auch das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrern ist respektvoll. Teilweise gibt es auch freundschaftlichen Kontakt zu ehemaligen SchülerInnen. Viele kehren gern ans CWG zurück, was an anderen Schulen nicht einschätzbar ist. Außerdem gibt es an unserer Schule ‚kurze‘ Wege untereinander (u.a. zur Schulleitung) und es herrscht eine offene Atmosphäre.«

  1. Wie sehen Sie die Entwicklung der SchülerInnen im Vergleich zu den Vorjahren?

Frau Borkowski: »Differenziert: seitdem SchülerInnen ohne Laufbahnempfehlung zu uns kommen können, hat sich viel verändert, was die Lern- und Erziehungsarbeit stark beeinflusst – z.B. Kompetenzen, die früher für einen Fünftklässler selbstverständlich waren, sind es heute nicht mehr. Außerdem wirkt sich der mediale Einfluss nicht sehr positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus.«

Frau Würfel: »Die Leistungsentwicklung hat abgebaut. Die SchülerInnen sind weniger fleißig als früher und die Vorbereitungen sind oft nur punktuell und oberflächlich. Insgesamt sind sie weniger bereit, Anstrengungen zu unternehmen, um sich zu verbessern. Die Schüler reflektieren und kritisieren nicht ihre eigenen Schwächen und geben sich mit dem Mittelmaß zufrieden.«

  1. Inwieweit denken Sie, dass sich etwas an unserem Lernklima in den letzten Jahren verändert hat? Schildern Sie die Probleme bitte konkret.

Frau Borkowski: »Die Qualität des Lernens, Motivationen und Voraussetzungen der SchülerInnen haben sich verändert. Vor 8 bis 10 Jahren herrschte gegenseitiger Respekt zwischen Lehrern und Schülern sowie auch zwischen älteren und jüngeren SchülerInnen.  Das Vorhandensein von nötigen Materialien war für Schüler selbstverständlich. Die SchülerInnen wollten etwas wissen bzw. lernen und hinterfragten auch Lerngegenstände. Sie haben den Lernprozess mitgestaltet, sich positioniert und Meinungen geäußert. Heute lernen manche Kinder den nötigen Respekt nicht zu Hause bzw. nicht von ihren Eltern, die auch nicht immer Vorbilder sind.  Die Schüler lernen oft nur noch, um eine gute Note zu bekommen, und häufige Fragen und Aussagen sind leider: ‚wozu?‘, ‚egal‘, ‚müssen wir?‘ oder ‚keine Lust!‘…«

Frau Würfel: »Es treten immer weniger sehr gute oder sogar herausragende Leistungen hervor. Viele SchülerInnen unterschätzen Aufgaben im Anforderungsbereich I, das Lernen und das Anhäufen von Kenntnissen. Im Schulgebäude ist es in letzter Zeit recht laut (zu Beginn und am Ende von Stunden, vor allem vor den Fenstern).  Besonders viele jüngere Schüler verhalten sich trotz einiger Belehrungen rücksichtslos und unachtsam, auch in Bezug auf Ordnung und Sauberkeit. Teilweise liegt es auch an mangelnder Konsequenz von Lehrern, denn es sind oft dieselben, die etwas dagegen sagen und tun.«

  1. Wodurch wird dies ausgelöst bzw. was sind die Ursachen dieses Verhaltens mancher SchülerInnen?

Frau Borkowski: »Manche SchülerInnen sind an unserer Schule, weil die Eltern das möchten, obwohl ihnen das Lernen an einer Gesamt- oder Sekundarschule leichter fallen würde. Daraus folgen dann mangelnde Erfolgserlebnisse, wachsender Druck, zunehmende Frustration, Überforderung und Langeweile im Unterricht… bis hin zum Stören des Unterrichtes durch das Erregen von Aufmerksamkeit.«

Frau Würfel: »Etliche Schüler würden keine Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Ich denke, es ist die mangelnde Erziehung durch das Elternhaus, aber auch die fehlende Kontrolle und Konsequenz der Eltern.«

  1. In den letzten Jahren stieg die Schülerzahl am CWG stetig an. Gehen Sie davon aus, dass durch mehr SchülerInnen ein höheres Konflikt- bzw. Problempotential besteht? Begründen Sie Ihre Meinung.

Frau Borkowski: »Nicht zwingend, wichtiger ist, wie man mit Regularien und Gepflogenheiten an der Schule umgeht, also ob man den Schülern ihre Grenzen aufzeigt und sie zur Selbstreflexion anregt oder die ‚Dinge einfach laufen lässt‘. Ersteres ist unbequemer und anstrengender, aber es lohnt sich.«

Frau Würfel: »Das kann ich aus der Sicht der Streitschlichter nicht bestätigen. Es gibt natürlich an einem Ort, wo 850 SchülerInnen aufeinandertreffen, Probleme: dazu gehören Lärm, Unordnung, Dreck und wenig Ausweichmöglichkeiten.«

  1. Welche Verbesserungen wurden bisher durch LehrerInnen, den Schülerrat usw. erreicht?

Frau Borkowski: »Lehrer sind wichtig dabei, vor allem müssen alle an einem Strang ziehen, aber genauso wichtig sind Schüler, die sagen: ‚STOP – das wollen wir nicht‘. Auch Eltern müssen unterstützen und die Kinder zu angemessenem Auftreten anhalten.«

Frau Würfel: »Der Schülerrat hat 2014 in einem Brief auf die Probleme aufmerksam gemacht. Es gibt auch immer wieder Versuche, die Gemeinschaft zu stärken, z.B. das Schulfest, das Jubiläum oder ähnliches. Dabei versucht man, das Verantwortungsbewusstsein der SchülerInnen zu fördern. Ich persönlich finde auch die Schüleraufsichten sehr positiv.«

  1. Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung des allgemeinen Lernklimas an unserer Schule?

Frau Borkowski: »Ich bin immer optimistisch. Ich mache mir nur dann Sorgen, wenn ich spüre, dass wir aus Bequemlichkeit die Möglichkeiten, die wir haben, um das Klima an unserer Schule positiv zu beeinflussen, nicht nutzen und ignorant und gleichgültig werden.«

Frau Würfel: »Es wird nicht einfacher werden.«

  1. Was ist Ihr Anliegen an die Schüler- und Lehrerschaft bzw. wie können manche Missstände eingedämmt werden?

Frau Borkowski: »Mit offenen Augen und geschärften Sinnen unterwegs sein und stets die Kraft aufbringen, sich den Dingen zu stellen (auch wenn es Zeit und Mehraufwand kostet). Nicht wegschauen und sich betroffen fühlen.«

Frau Würfel: »Man muss die Normen und Regeln der Hausordnung konsequent durchsetzen, aber natürlich auch sich selbst an diese halten. Die Schüler sollten die Regeln des freundlichen Umgangs miteinander einhalten bzw. wiederherstellen, z.B. im Schulhaus grüßen oder ähnliches. Man sollte auch ältere SchülerInnen ermuntern, jüngere mit zu erziehen; das setzt dann aber voraus, dass Jüngere Respekt vor älteren SchülerInnen haben. Die Eltern sollten auch diese Dinge mehr einbeziehen und Erziehungsschwerpunkte deutlich machen. Des Weiteren wäre konsequentes Durchsetzen von sinnvollen Strafen bei Nichteinhaltung von Regeln angebracht, ohne dass sich Eltern einmischen und dagegen vorgehen!«

  1. Macht es Ihnen immer noch Spaß am CWG zu arbeiten? Vergleichen Sie es auch mit früher (als Sie hier neu waren) und der heutigen Situation?

Frau Borkowski: »JA! Ich bin schon immer jemand, der die Dinge in die Hand nimmt, die ihn nicht zufriedenstellen, früher und heute. Ich kann aber nicht leugnen, dass der tägliche Lärm, der uns seit 3 bis 4 Jahren umgibt, auch mich hin und wieder zur Verzweiflung bringt. Wünschen würde ich mir, dass jeder ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie er auftritt und was dieses Auftreten für die Gemeinschaft bedeutet.«

Frau Würfel: »JA! Man kann dies aber schlecht vergleichen, da sich die Bedingungen sehr verändert haben (siehe 2.-5. Frage), aber es soll auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch Spaß machen und deshalb müssen alle daran arbeiten!«

Für die informativen Auskünfte danken wir Frau Borkowski und Frau Würfel.

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