Engagiert in Feierlaune

Die Beteiligten des Wahlpflichtkurses „Lebenswelt“ veranstalteten ihre jährliche Abschlussfeier mit einem unterhaltenden Programm und zahlreichen Gästen in der Aula unserer Schule, welches ihr Einsatzjahr angemessen abrundete. Unsere Redaktion war zu Besuch und hat vielerlei Eindrücke festgehalten.

  • von Clemens T. Kral/10b
  • Fotos: Clemens T. Kral/10b

Für die engagierten SchülerInnen des Wahlpflichtkurses „Lebenswelt“ bzw. „Lernen durch Engagement“ (LDE) am Christian-Wolff-Gymnasium ist das Schuljahr fast geschafft. Ihren Abschluss begingen sie mit den Kurslehrerinnen Solveig Feldmeier, Astrid Willmann und Susanne Würfel am Dienstag, dem 30.5.2017, ab 17:00 Uhr, feierlich. Im Schuljahr 2016/2017 waren die Neunt- und ZehntklässlerInnen an diversen Einsatzstellen tätig (später dazu mehr). Bei der Feier stand vor allem die Reflexion auf Erreichtes und eventuelle Schwierigkeiten im Lauf des Jahres, die Auszeichnung ihrer ehrenvollen Aufgabe sowie der gemeinsame Ausklang im Mittelpunkt.

Bevor der offizielle Teil begann, trafen sich alle SchülerInnen und Kurslehrerinnen bei schwülheißem Wetter um 15:00 Uhr in der Aula, um sich auf den Abend vorzubereiten. Nach der Prüfung der Anwesenheit folgte die Aufteilung in vier Arbeitsgruppen, die sich für knapp 1,5 Stunden mit der Bedeutung des Engagements für jede einzelne Person auseinandersetzten und diese Aspekte in je einer Aufgabe mit unterschiedlichen kleinen Vorgaben vereinen sollten. So wurden ein Rollenspiel erarbeitet sowie eine Kurzgeschichte und ein Gedicht geschrieben – währenddessen blieb auch genügend Zeit zur Ideenfindung. Eine weitere Gruppe führte ein Gedankenexperiment durch, indem sie sich die Frage stellte: „Was wäre mit unserem Engagement erreichbar, wenn wir eine Million Euro zur Verfügung hätten?“. Ihre Einfälle dazu brachten sie zu Papier.

Schülerzeitung AG - Abschlussveranstaltung Wahlpflichtkurs 'Lebenswelt' [30.5.2017] (1)
► Vor der Feier fanden sich die Engagierten in Gruppen zusammen und erarbeiteten verschiedene Aufgaben, die sie später dem Publikum präsentierten.

SchülerInnen der 9. Klassen, die in der Grundschule Kastanienallee tätig waren, bereiteten die „Sea of emotions“ vor. Hier ging es für jeden darum, ein kleines Schiff auf ein Meer (eine blaue Plane) in Richtung einiger Inseln, wie z.B. Stress, Enttäuschung, Motivation etc., zu setzen und so für mehrere Phasen des Schuljahres (Beginn, Mitte, Ende) seine eigenen Erfahrungen zu reflektieren.

Drei SchülerInnen studierten die Moderation der Veranstaltung ein.

Zünftige Abschlussfeier

Die offizielle Veranstaltung fand von 17:00 bis ca. 19:00 Uhr in der aufgeheizten Aula im obersten Stockwerk statt. Neben allen interessierten SchülerInnen des CWG waren wichtige Gäste, darunter der Bildungsminister Sachsen-Anhalts, Marco Tullner, Olaf Ebert, Geschäftsführer der Freiwilligen-Agentur, und Sandra Zentner von der Freudenberg-Stiftung, eingeladen. Eingeläutet wurde der besondere Abend mit einer umfangreichen Aufführung der „kleinen“ Theater-AG unter der Leitung von Frau Feldmeier, die nicht nur von arabischem Essen, sondern natürlich auch von Freundschaft und Engagement handelte. Es folgten Grußworte von Marco Tullner, Olaf Ebert und Sandra Zentner, bei denen vor allem die enge Zusammenarbeit mit der Freiwilligen-Agentur und seit Neuem zudem mit der Freudenberg-Stiftung, die „LDE“ in Schulen unterstützt und u.a. Lehrer fortbildet, betont sowie unsere Schule als Vorreiter für „Lernen durch Engagement“ landes- und bundesweit gelobt wurde. Hierbei sei erwähnt, dass unsere Schule erst vor etwa einem Monat einen Preis in Höhe von 750 € innerhalb des Netzwerks „Lernen durch Engagement“ gewinnen konnte. Wenig später unterschrieben alle drei besonderen Gäste die Kooperationsvereinbarung zwischen dem CWG und der Freudenberg-Stiftung.

Schülerzeitung AG - Abschlussveranstaltung Wahlpflichtkurs 'Lebenswelt' [30.5.2017] (5)
► Alle SchülerInnen erhielten je ein Zertifikat für die Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Arbeit und wurden von den Kurslehrerinnen persönlich gratuliert.

Im zweiten Teil waren die TeilnehmerInnen von „Lebenswelt“ gefragt. Zu Anfang stellte die Gruppe der „Sea of emotions“ ihre Eindrücke aus diesem Einsatzjahr an der GS Kastanienallee mit ihren Schiffchen dar und begründete ihre Entscheidung kurz. Leider war es für manche SchülerInnen sehr schade, dass der Sport-Förderkurs zum Ende hin wegen Lehrermangelns ausfallen musste. Als Ersatz haben sie aber gemeinsam mit Frau Feldmeier das Schulsportfest der GS Kastanienallee am 1. Juni unterstützt. Die Gruppen mit einer Kurzgeschichte, einem Rollenspiel oder einem Gedicht als Ergebnis haben ihre Ideen genauso prima umgesetzt und präsentiert. Die Kurzgeschichte wurde besonders gut geschrieben, weshalb Ihr sie unterhalb des Berichts lesen könnt. Und da wäre noch die Gruppe, die über den Einsatz von einer Million Euro – wenn sie zur Verfügung stünden – zugunsten eines Kindergartens nachgedacht hat. Hier ein paar Beispiele: gute Essensmöglichkeiten, medizinische Untersuchungen der Kinder, Sanierung des Gebäudes, Außenanlagen mit Beschäftigungsmöglichkeiten. Alle Jugendlichen wurden abschließend mit einem Zertifikat ausgezeichnet und von Frau Feldmeier, Frau Willmann, Frau Würfel und Schulleiter Herrn Slowig beglückwünscht. Mit einem reichhaltigen Buffet von den 11. Klassen im nicht kühleren Musikraum 209, in dem noch die Portfolios der Engagierten zum Anschauen auslagen und Zeit zum gemeinsamen Austausch blieb, beendeten alle SchülerInnen, Kurslehrerinnen und Gäste langsam den Abend.

Rückblick auf das diesjährige Engagement

Der heutige Wahlpflichtkurs „Lebenswelt – Lernen durch Engagement“ ist seit dem Schuljahr 2008/2009 fester Bestandteil des Schulprogramms, hat aber bereits einige Jahre zuvor seinen Ursprung. „Lernen durch Engagement“ wurde 2003 erstmals als Idee gemeinsam mit der Freiwilligenagentur als AG umgesetzt. Sowohl SchülerInnen als auch die begleitenden Lehrkräfte bekamen durch das Engagement für Kinder, alte und beeinträchtigte Menschen mit Freude, Motivation und Begeisterung mehr als nur einen Blick in andere Lebenswelten. Sie gewannen schnell die Schulleitung und weitere Kollegen für das Projekt. Belegen kann man den Kurs in der 9. und 10. Klassenstufe entweder für ein oder zwei Jahre. Dafür erhält man eine Zeugnisnote, die sich je zur Hälfte aus Praxisleistung und Kursmitarbeit zusammensetzt, sowie eine hohe Anerkennung der Schule und den zu Betreuenden. Verschiedene Themenbereiche, deren Inhalte mit einzelnen Schulfächern eng zusammenhängen, sind bei der Wissensvermittlung relevant.

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► SchülerInnen des CWG schauen sich die diesjährigen Portfolios von „Lebenswelt“ an.

In diesem Schuljahr engagierten sich statt der einst 20 nun 56 SchülerInnen der 9. und 10. Klassen einmal pro Woche für zwei Unterrichtsstunden. Mittlerweile erschließt der Wahlpflichtkurs „Lebenswelt“ zudem eine hohe Bedeutung für das Vorhaben „Campus Kastanienallee“, denn seit dem Start im August 2016 arbeiten die Grundschule Kastanienallee und das Christian-Wolff-Gymnasium für das „Lernen durch Engagement“-Projekt zusammen. Dies geschah, indem 14 NeuntklässlerInnen unter der Regie von Frau Feldmeier jeden Dienstag die Nachbarschule besuchten und mit drei ersten Klassen das Deutschlernen, Lesen, Schreiben und Rechnen übten. Für die nächsten Jahre sind weiterhin solche Pläne vorgesehen, damit „Lebenswelt“ sich als Campus-Projekt etablieren kann. Neben dem Begleitseminar führten die anderen TeilnehmerInnen des Wahlpflichtkurses selbstverständlich vielfältige Einsätze durch; dabei begleitete Frau Würfel die Engagierten in den 9. Klassen und Frau Willmann wirkte – wie im Vorjahr bereits – bei den ZehntklässlerInnen mit. Nachfolgend eine kleine Auswahl an Einsatzstellen:

  • Grundschule Kastanienallee
  • Seniorenzentrum AGO Halle-Neustadt
  • Hort der Ersten Kreativitätsschule Halle (Saale); Integrative Kita „Onkel Uhu“
  • Hort der Lilien-Grundschule
  • Movie e.V. (Betreuung jugendlicher Flüchtlinge)
  • Kita „Am Zanderweg“ Heide-Nord
  • KindElternZentrum Lieskau
  • Sport-AG in der Helen-Keller-Schule
  • usw.

Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Weitere Informationen zum Projekt „Lebenswelt“ erfahrt Ihr auf unserer Schulwebsite:
Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Interessantes zu LDE seitens der Freudenberg-Stiftung:


Für noch mehr Wissenswertes sei Euch unsere 7. Printausgabe vom 28.9.2016 empfohlen, in der Gabriele Bräunig auf Seite 10 über das Projekt berichtet.

Wir hoffen, alle beteiligten SchülerInnen konnten im Lauf des nun abgeschlossenen Jahres einige Erfahrungen während ihrer ehrenamtlichen Aufgabenbereiche sammeln und vor allem etwas für das Leben und sich selbst lernen. Herzlichen Glückwünsch für diese Leistung und weiterhin viel Erfolg in der Ausübung des überaus nützlichen Projekts!


Anhang

Kurzgeschichte über Engagement als Ergebnis der Gruppenarbeit. Dabei sollten folgende Wörter verwendet werden: bunte Blumen, Sommersprossen, Einrichtungspartner, Erfahrung, Luftballons, Engagement.

  • von LDE-Teilnehmerinnen aus Klassenstufe 9 und 10

[urheberrechtlich geschützter Inhalt]

Heute war ich, wie jeden Dienstag, im Kindergarten und habe mit den Kindern aus Krepppapier bunte Blumen gebastelt. Alle haben mitgemacht, außer einem kleinen, blonden Mädchen. Keiner schien mit ihr reden oder spielen zu wollen, was mich sehr wunderte. Ich versuchte mit ihr zu reden, aber sie schaute mich nur traurig mit ihren großen blauen Augen an – dabei rollte eine Träne über ihr Gesicht, welches mit Sommersprossen bedeckt war. Ich machte mir Tage später immer noch Gedanken über sie und darüber, was ich für sie tun könnte. Deshalb beschloss ich, mit dem Einrichtungspartner zu reden. An dem darauffolgenden Dienstag sprach ich mit dem Leiter, um ihm die Situation zu schildern. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung konnte er mir Tipps geben, um das Problem zu lösen. Nach dem Gespräch ging ich zu den Kindern, um sie zu fragen, wieso sie das Mädchen ausgrenzten; daraufhin antworteten sie: »Sie ist komisch… sie malt sich braune Punkte ins Gesicht.“ Ich musste schmunzeln. Daraufhin erklärte ich ihnen, was es mit diesen „komischen Punkten“ auf sich hatte. Die Kinder verstanden schnell, dass es nichts Schlimmes ist. Um sich bei dem Mädchen zu entschuldigen, wollten sich die Kinder Sommersprossen ins Gesicht malen, um zu zeigen, dass es nicht schlimm ist, „anders“ zu sein. Zusammen mit den Kindern ging ich Farbe suchen; dabei entdeckten wir Luftballons. Ein Junge schlug vor, ihr die Luftballons zu schenken.

Wir malten uns an, pusteten die Luftballons auf und machten uns auf den Weg zu dem Mädchen. Alle Kinder zeigten Engagement und versuchten alles, um sie aufzumuntern. Wir öffneten die Tür, und ich sage Euch, diesen Blick werde ich nie vergessen.

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