13 Monate auf einem anderen Kontinent

Jenny Emrich ist eine ehemalige Schülerin unserer Schule, war Chefredakteurin von „Wolffs Ruf“ bis 2015 und absolviert momentan einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Uganda.

von Theodor Wolf/7c; Jenny Emrich/Ehrenmitglied des Vorstands
Fotos: [Quellen siehe unten]
[Besonderen Dank an Jenny Emrich und Frau A. Borkowski/Koll. für die Bereitstellung von Informationen und Bildern.]

Das Abitur hat Jenny 2016 geschafft und entschied sich danach, sich in eine Herausforderung ganz anderer Art zu begeben. Jenny überlegte bereits in der 9. Klasse, ein freiwilliges Jahr in Uganda zu verbringen – einerseits um ihre langjährige, gleichaltrige ugandische Brieffreundin Daphine endlich persönlich kennenzulernen, andererseits um herauszufinden, wie es ist, für einen längeren Zeitraum in einem anderen Teil der Welt zu leben. Mit diesem Ziel recherchierte sie im Internet nach Möglichkeiten, diesen Traum zu realisieren. Auf der Seite weltwaerts.de wurde sie dann fündig. Nachdem sie sich zuerst bei zwei deutschen Entsendeorganisationen beworben hatte, konnte sie sich nach einem Telefonat mit dem Freiwilligenkoordinator der Organisation VUGA e.V. (Verein für ugandischen Austausch) doch schnell für eine der beiden entscheiden. Im Gegensatz zu anderen Entsendeorganisationen lässt VUGA e.V. seine Freiwilligen nicht in Freiwilligenappartements wohnen, sondern bei Gastfamilien. Dies war das ausschlaggebende Argument, warum sich Jenny letztendlich für VUGA e.V. entschieden hat. Außerdem legt VUGA e.V. Wert auf Gleichberechtigung der deutschen und ugandischen Partner. So wurde Jenny Schritt für Schritt in zwei Vorbereitungsseminaren in Deutschland und einem Vorbereitungsseminar in Uganda zusammen mit drei anderen Freiwilligen aus Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg (da ging das interkulturelle Lernen schon los) Teil der VUGA e.V.-Familie. Bereits im ersten Vorbereitungsseminar in Köln erfuhr Jenny, wie die Entscheidung der ugandischen Partner ausgefallen war. Anhand der Bewerbungen und Motivationsschreiben der vier Freiwilligen stimmten die Partnerorganisationen von VUGA e.V. in Uganda ab, welche/r Freiwillige/r in welcher Organisation arbeiten wird. Jenny war glücklich, als sie erfuhr, dass ihr Wunsch, bei der Organisation LITTLE LIGHT in Kampala zu arbeiten, wahr werden sollte.

Schülerzeitung AG - FSJ Jenny Emrich in Kampala, Uganda [6.5.2017] (1)
► Jenny Emrich und die anderen drei Freiwilligen in Köln anlässlich des ersten Vorbereitungsseminars (2016).

LITTLE LIGHT

Schülerzeitung AG - FSJ Jenny Emrich in Kampala, Uganda [6.5.2017] (2)
► Logo der Organisation LITTLE LIGHT.

Die Organisation LITTLE LIGHT, die 2008 von drei Ugandern und drei israelischen Freiwilligen gegründet wurde, verfolgt das Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, die im Slum Namuwongo in der ugandischen Hauptstadt Kampala leben. Das LITTLE LIGHT CHILDREN CENTER beherbergt eine Klinik und eine Schule, ein Sponsorschaftsprogramm für SchülerInnen der 3. bis 13. Klasse sowie eine Frauen- und Jugendgruppe.

Schülerzeitung AG - FSJ Jenny Emrich in Kampala, Uganda [6.5.2017] (3)
► Im LITTLE LIGHT CENTRE können Kinder der ugandischen Hauptstadt Kampala u.a. die Schule besuchen, ärztlich behandelt werden und in verschiedenen Gruppen aktiv sein.

Ende August 2016 begab sich Jenny auf die Reise, um diese Organisation vor Ort kennenzulernen und mitzugestalten. Jenny wohnt bei einer Gastfamilie und hat dort ein eigenes Zimmer. Sie wurde sehr herzlich von ihren Gasteltern und zwei Gastschwestern aufgenommen. Dennoch dauerte es eine Weile, bis sich Jenny in ihrem neuen Zuhause eingelebt hatte. Neben den vielen Eindrücken und ersten Erlebnissen in der Familie musste Jenny aber auch an ihre Arbeit denken. Der Einstieg in die Arbeit fiel Jenny nicht ganz leicht, vor allem, weil sie noch keine Erfahrung darin hatte, wie eine NRO (Nichtregierungs-Organisation) aufgebaut ist und wie die Arbeit dort abläuft. Jenny war allerdings sehr dankbar, dass VUGA e.V. sie in einigen Bereichen gut vorbereitet hatte. Das wurde ihr später noch deutlicher bewusst, als sie mit israelischen Freiwilligen bei LITTLE LIGHT zusammenarbeitete, die nicht so eine ausführliche Vorbereitung durchlaufen konnten. Ihr Arbeitseinstieg wurde auch dadurch erschwert, dass LITTLE LIGHT bei ihrer Ankunft in einem finanziellen Tief war, weshalb grundlegende Ressourcen wie fließendes Wasser, Kohle zum Wasser- und Essenkochen sowie Schulmaterialien teilweise nicht verfügbar waren. Unser Christian-Wolff-Gymnasium konnte LITTLE LIGHT durch das Verkaufen des Schmucks, den die LITTLE LIGHT Frauengruppe aus Altpapier herstellt, sowie Spendensammeln dabei helfen, diese schwierige Phase zu meistern. Durch das Verkaufen von Schmuck und das Sammeln weiterer Spendengelder konnten insgesamt 781,50 € nach Uganda für Jennys Organisation überwiesen werden, nur von unserer Schule! Diese Summe setzt sich aus 291,00 € vom Schuljubiläum, 222,00 € vom Spendenlauf und 268,50 € vom Schmuckverkauf im Lehrerzimmer und zum Tag der offenen Tür zusammen. Seit Beginn des neuen Jahres hat sich die Situation der Organisation stabilisiert, sodass sogar neue Kinder in die Schule aufgenommen und zwei weitere Klassenräume gebaut werden konnten.

Wie kann man sich einen Tag bei Jenny in Kampala vorstellen?

Vielleicht in etwa so, wie dieser Mittwoch im April 2017:

Schülerzeitung AG - FSJ Jenny Emrich in Kampala, Uganda [6.5.2017] (4)Ihr Wecker klingelt, wie auch in den letzten Jahren in Deutschland, um 6 Uhr. Um 7:45 Uhr läuft sie etwa 15 Minuten zur Arbeit. Wenn sie 8 Uhr angekommen ist, sind die Kinder schon einige Zeit in der Schule und für gewöhnlich schon im Morgenkreis versammelt. Nachdem Jenny ihre Arbeitskollegen begrüßt, das heißt die Lehrer, die Reinigungskraft, die zwei Köchinnen, die Managerin, den Administrator und die männliche Krankenschwester, stellt sie im Büro ihren Rucksack ab und begibt sich an ihre Aufgaben, die zum größten Teil in einem Arbeitsplan festgelegt sind. Jenny assistiert zum Beispiel der Krankenschwester Godfrey dabei, Creme gegen Pilzbefall auf den Köpfen der betroffenen Kinder aufzutragen und unterstützt die Lehrer in unterschiedlicher Weise. Sie schreibt Aufgaben in die Schreibhefte des Schülers, übt mit einzelnen Kindern das Lesen und übernimmt auch manchmal die Pausenaufsicht. Zur Mittagszeit teilt sie gemeinsam mit den Köchinnen das Essen aus, und gelegentlich muss sie auch Monats- und Projektberichte schreiben. Nach der Mittagspause tanzt sie mittwochs mit den Kindern der „Top Class“, der letzten Klasse der Vorschule, die im nächsten Jahr in die Grundschule kommen. Wenn Jenny um 16 Uhr Feierabend hat, geht sie nach Hause, besucht ihre Gast-Mama in ihrem Shop auf dem Marktplatz, wo sie auch ihre Gastschwester trifft, besucht Freunde, geht schwimmen, einkaufen, Badminton spielen, liest ein Buch, oder andere Sachen… eigentlich ganz ähnlich wie hier in Deutschland. Um 20:30 Uhr isst sie mit ihrer Gastfamilie Abendbrot, dann sehen alle gemeinsam eine mexikanische Familienserie an. Gegen 22 Uhr, nachdem sie geduscht hat, geht Jenny ins Bett.

Das ist nur ein Beispiel für ihren Alltag, denn natürlich ist jeder Tag ein bisschen anders. Am Wochenende oder im Urlaub nimmt sich Jenny etwas Zeit für sich, wäscht Wäsche, besucht ihre Brieffreundin, die anderen Freiwilligen in Entebbe (30 km entfernt von Kampala) oder ein paar Orte in Kampala oder außerhalb.

Weitere Informationen

Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Weitere Informationen über aktuelle Erlebnisse und Tätigkeiten von Jenny erfahrt Ihr auf ihrem Blog:

Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Allgemeinere Informationen über die Organisation LITTLE LIGHT:

Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Schmuck von der Frauengruppe kann nun auch über das Internet bestellt werden:

Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Informationen über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ gibt es hier:

Schülerzeitung AG - Wolffs Ruf-Logo [T-Shirt] (2.3.2)>> Weitere Informationen über VUGA e.V. sind hier einsehbar:

VUGA e.V. freut sich über BewerberInnen für einen Freiwilligendienst in Uganda, die zwischen 18 und 27 Jahren alt sind und entweder einen Realschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung oder das Abitur vorweisen können.

Schülerzeitung AG - FSJ Jenny Emrich in Kampala, Uganda [6.5.2017] (5)

Schülerzeitung AG - FSJ Jenny Emrich in Kampala, Uganda [6.5.2017] (6)
► Jenny Emrich mit ihren Gasteltern vor einer Hochzeit (o.) und bei einer Gastschwester mitsamt ihrer Familie.

>> Quellen

Die Bilder wurden, mit Einverständnis für die Veröffentlichung auf dieser Website, von Jenny Emrich dem Autor zugeschickt. Andere Bilder durften, mit Einverständnis von Jenny Emrich, von folgender Website kopiert werden:

https://jennyinugandablog.wordpress.com/

Wir wünschen Jenny noch viele spannende Erlebnisse und Begegnungen in Uganda, auch viel Kraft und nicht so viel Heimweh.

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2 Kommentare zu „13 Monate auf einem anderen Kontinent“

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